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Geschichte auf der Wendeltreppe

24.11.2006: Der zweite Jugendgeschichtstag in Mecklenburg-Vorpommern hatte Bewegung. Rauf und runter liefen die Zeitenspringer und Gäste die Treppen des Schweriner Schlosses um sich auszutauschen, andere Projekte kennen zu lernen oder Antworten für die Quizfragen einzufangen.

(Text/Fotos: Kerstin Müller)

  
 

Ministerpräsident Ringstorff schaut sich die Projekte ganz genau an

Vier Etagen füllte die Projektmesse mit Spurensuchern und jungen Forscherinnen und Forschern. Und die Themen waren vielfältig: Nationalsozialismus, Architekturgeschichte, Siedlungserforschung, Flucht und Vertreibung, DDR. Letzteres war das besondere Thema des Tages und kein geringerer als Dr. Lothar de Maiziere, ehemaliger Ministerpräsident der DDR, erzählte beim Geschichts-Talk im Schloss von den Tagen der Wende, dem Weg in die Demokratie und der Zeit danach. Die Jugendlichen hatten die Möglichkeit, ihm Fragen zu stellen und nachzuhaken: Wie war das denn damals? Wie es damals war, wollte auch Ministerpräsident Harald Ringstorff wissen. Als er die Projektmesse besuchte, stellte er die Fragen und wollte alles wissen. Die Jugendlichen genossen die Aufmerksamkeit von höchster Stelle. "Ein tolles Projekt habt ihr da, ihr habt die Rostocker Südstadt erforscht - wisst ihr, dass ich da mal gewohnt habe?" Harald Ringstorff erzählte Persönliches und fragte nach der Idee der Projekte, schüttelte Hände und blätterte in Dokumenten. Mit knapp zehn Projekten kam er ins Gespräch, die Jugendlichen waren nervös und aufgeregt, freuten sich aber sichtlich über so viel Anerkennung. "Die Arbeit hat sich gelohnt" sagte Sandra (13) und umarmte die anderen Mädchen des Projektes, die froh waren, dass die Präsentation ihrer Projektergebnisse vor dem Ministerpräsidenten so gut geklappt hat.


  

Dirk Siebernik führt durch den Jugendgeschichtstag

 

"Wenn es Zeitensprünge in meiner Jugend gegeben hätte - ich hätte sofort mitgemacht. Ich habe mich immer für Geschichte interessiert" erzählte Ringstorff bei einem Kurzinterview dem Projektkoordinator der Kontaktstelle für lokalhistorische Studien, Dirk Siebernik (Landesjugendring Mecklenburg-Vorpommern). Auch Lothar de Maiziere und Mecklenburgs Sozialminister Erwin Sellering, der mit seinem Ministerium das Jugendprogramm Zeitensprünge in Mecklenburg-Vorpommern finanziell unterstützt, schauten sich auf der Projektmesse um und nahmen sich Zeit für die Jugendlichen.


  
 

Bewegende Momente bei der Aufführung von "Die Erinnerung ist jung"

Der Jugendgeschichtstag war aber nicht nur geprägt durch politische Prominenz und der Eleganz des Schweriner Schlosses, sondern vielmehr durch "Zeitensprünge" - Projekte, die ihre Ergebnisse präsentierten. Und das aus den unterschiedlichsten Perspektiven. So hatte der Tag mit einem Theaterstück des Goethe Gymnasiums begonnen. Eine eindrucksvolle Umsetzung ihres Projektes "Häftlingstransporte nach Wöbbelin und Bestattung der Opfer in Schwerin" berührte alle Jugendlichen und Gäste im Festsaal des Landtages. Über 250 anwesende Zeitenspringer schauten gebannt auf die Bühne und ließen sich mitreißen von den bewegenden Szenen aus der Geschichte der Gefangenen, Deportierten und Ermordeten. Es herrschte Schweigen als die Worte erklangen "Nie wäre mir in den Sinn gekommen, dass man Menschen so sterben lassen kann". Sätze, die mit den Worten begannen "Das habe ich vorher gar nicht gewusst", begleiteten den Jugendgeschichtstag bis in den Abend und vermittelten das Gefühl, dass die "Zeitenspringer" in ihren Projekten zu wahren Experten geworden sind.


  

Harald Ringstorff und Heidemarie Rubart bei Zeitenspringern auf der Projektmesse

 

Zeitenspringer setzen sich mit der Geschichte ihrer Region auseinander. Sie entdecken dabei Kurioses, Skandalöses, Bewegendes oder Unvorstellbares. Heidemarie Rubart, Leiterin der Koordinierungsstelle "Perspektiven für junge Menschen - gemeinsam gegen Abwanderung" (Stiftung Demokratische Jugend) betonte dies in ihrer Eröffnungsansprache zum zweiten Jugendgeschichtstag in Mecklenburg-Vorpommern ganz besonders und ermutigte die Jugendlichen zum Weiterforschen. "Wenn ihr dazu beitragt, bisher unerforschte Geschichte aus eurer Region aufzudecken, dann ist das eine tolle Leistung". Weiterhin lobte sie die Wirkung der "Zeitenspringer" für jeden einzelnen Ort. "Mit eurer Projektarbeit habt ihr dazu beigetragen, der Heimat ein Stück weit ein neues Gesicht zu geben."


  
 

Sozialminister Erwin Sellering lernt ein Zeitenspringer-Team kennen

Am Abend diskutierte der Sozialminister Erwin Sellering in einem Forum mit Vertreterinnen und Vertretern der Jugendverbände die Möglichkeiten der Kinder- und Jugendarbeit in Mecklenburg-Vorpommern. Sellering äußerte sich in seiner jungen Amtszeit erstmals öffentlich zu diesem Thema und bot den anwesenden Praktikern an, auch zukünftig im Gespräch mit seinem Ministerium zu bleiben.


  

Lothar de Maiziere und Harald Ringstorff auf der Projektmesse

 

Ein feierlicher Empfang der "Zeitenspringer" durch den dritten Vizepräsidenten des Landtages, Hans Kreher, ließ den Abend ausklingen. In einem offiziellen Rahmen verliehen Heidemarie Rubart und Dirk Siebernik die Preise für die Gewinner des "Zeitensprünge - Projektmesse" - Quiz. Überreicht wurden Kameras, Mp3-Player und Taschen.

Insgesamt ein Tag, den man "richtig wichtig" nennen könnte - denn die Zeitenspringer standen im Mittelpunkt und konnten alles loswerden, was sie auf ihren Spurensuchen entdeckt, erforscht und dokumentiert haben.





Erfahren Sie mehr über unsere "Zeitenspringer" in Mecklenburg-Vorpommern im Projektkatalog 2004-2006.




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