Ganz nah dran: Zeitenspringer bei der Arbeit
11.06.2007: Teil 3: Zurück in die Vergangenheit - das Zeitzeugeninterview in Dresden
(Text / Fotos: Kerstin Müller )
Pünktlich geht es los in Dresden - Briesnitz. Es ist 16 Uhr und im Jugendraum des Pfarrzentrums sitzen Sophie, Christin, Marie, Florian, Dorothea und Konrad. Zusammen mit dem Gemeindepädagogen René Hermann sind sie ein Zeitensprünge - Team. Und für sie ist heute ein besonderer Tag: Sie haben offiziell zu einem Zeitzeugen-Interview eingeladen. Auf dem Tisch stehen Wasser und Gebäck und natürlich auch ein Aufnahmegerät.
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Das Zeitenspringerteam |
Seit März diesen Jahres erforscht das Team die Geschichte des Lehrers und Fotografen Johann Friedrich Wilhelm Liebert. Er war bekannt für seine demokratischen Werte und seinen Einsatz für die Zivilcourage im Nationalsozialismus. Mit seiner Leidenschaft für das Fotografieren wurde er zu einem Ortschronisten, dessen Bilder heute dabei helfen, wesentliche Schritte der Briesnitzer Stadtteilgeschichte nachzuvollziehen.
Die Jugendlichen möchten herausfinden, was für ein Mensch der "Lehrer Liebert" war. Und das machen sie mit Hilfe von Zeitzeugen. Erst vor kurzem hatten sie das große Glück und konnten den Sohn von Johann Friedrich Wilhelm Liebert interviewen. Das war spannend und interessant und obendrein noch wertvoll. "Der Sohn hat uns eine Kiste mit über 400 Fotos zur Verfügung gestellt - alles Originalaufnahmen. Das ist etwas ganz besonderes." René Hermann schwärmt und ist stolz auf diesen Fundus.
Eine große Bereicherung
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Herr Höfgen mit den Zeitenspringer |
Heute steht ein neues Zeitzeugen-Interview auf dem Programm. Der 73-jährige ehemalige Schüler Höfgen hat auf ein Zeitungsinserat der Zeitenspringer reagiert und bietet sich an, über seine Erinnerungen an den bekannten Dresdner Lehrer zu erzählen. Und auch ein prominenter Gast möchte sich das Gespräch anhören: Der CDU-Bundestagsabgeordnete und Sprecher der Kommission Aufbau Ost Arnold Vaatz hat den Weg zu den Jugendlichen gefunden. Und dann ist da noch Herr Beyer. Der 80-Jährige hat in der Zeitung von dem Termin gelesen und ist spontan vorbeigekommen. Eine große Bereicherung, wie sich noch herausstellen wird.
Die Jugendlichen sind professionell vorbereitet - sie haben sich einen ganzen Fragenkatalog überlegt und rücken das Diktiergerät noch zurecht. Dann geht es los. "Wie viele Jahre hatten Sie Unterricht bei Herrn Liebert? Wie waren seine Erziehungsmethoden? Welches Verhältnis hatte er zur Kirche? War er ein guter Lehrer? Hat er auch im Unterricht fotografiert?" Eine Frage nach der anderen schießt aus ihnen hervor und Herr Höfgen erzählt Anekdoten und berichtet von Erlebnissen. "Der Liebert wollte immer die Demokratie stärken. Er hat uns jeden Tag gezeigt und erklärt wie Demokratie funktioniert. Und Freiheit war auch ein wichtiges Thema für ihn. Er sagte immer: Mein Name Liebert kommt von Liberty - die Freiheit." Die Jugendlichen hören interessiert zu, Arnold Vaatz stellt hin und wieder Rückfragen und Herr Beyer antwortet da, wo Herr Höfgens Erinnerungen nicht reichen. Eine tolle Ergänzung und ein wahrer Glücksfall für die Zeitenspringer.
Fotos, die Vergangenheit erzählen
Das Interview dauert eine gute halbe Stunde, dann wird der Laptop angemacht und die Leinwand heruntergezogen. "Wir möchten Ihnen nun einige der Originalfotos von Herrn Liebert zeigen" kündigt der Projektleiter René Hermann an. Gleich zu Beginn sieht man Dutzende Fotos aus den 1930er Jahren. Es ist die Zeit des Autobahnbaus. Liebert hat die komplette Bauzeit begleitet und immer wieder die Fortschritte festgehalten. Das Besondere an seinen Bildern: Er hat sie alle kommentiert und mit Datum und Ort versehen. Bei vielen Fotos kommen die Anwesenden ins Gespräch. Erinnerungen werden wieder lebendig und gemeinsame Vergangenheit verbindet. Dann folgen Bilder von der Kirche, Bilder von bekannten Häusern, Plätzen und Orten.
"Was wollt Ihr denn mit den Fotos und den Interviews machen?" möchte Arnold Vaatz wissen. Die Jugendlichen erzählen von der Broschüre, die erstellt und verkauft werden soll und von der Wanderausstellung, die die besten Bilder zeigt. "Wir werden außerdem aus den besten Fotos eine Postkartensammlung machen" ergänzt der Projektleiter und fügt hinzu "Und weil wir auch Original Kameras und Diaprojektoren gefunden haben, würden wir irgendwann mal gerne eine Heimatstube eröffnen, wo man sich all diese Erinnerungen anschauen kann". Bis dahin ist es noch ein langer Weg aber der Teil der Geschichte, der vom "Lehrer Liebert" handelt, ist bald fertig. Anschauen kann man sich die Ergebnisse dann auf dem dritten Jugendgeschichtstag am 24. November 2007 im Sächsischen Landtag in Dresden.
Und wie war das Interview heute? "Lustig und spannend" antwortet Marie und räumt das Aufnahmegerät weg. Wir wünschen allen Projekten viel Erfolg beim Entdecken, Erforschen und Festhalten von spannenden Geschichten.






