Wir sind nicht das Problem, wir sind die Lösung!
30.03.2009: Berlin. 100 Jugendliche waren am vergangenen Freitag der gemeinsamen Einladung der Stiftung Demokratische Jugend und der fünf Jugendverbände zur Jugendkonferenz "Perspektive Land" gefolgt, um unter der Schirmherrschaft von Bundesministerin Ursula von der Leyen an zwei Tagen miteinander über die Situation ehrenamtlich engagierter junger Menschen in den ländlichen Räumen Ostdeutschlands zu sprechen. Als Ergebnisse dieses Austauschs sollten Wege, Strategien und Konzepte entwickelt werden, wie junge Menschen aktiv am Gemeinwesen partizipieren und auf diese Weise mithelfen können, die Zivilgesellschaft zu stärken.
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100 Jugendliche aus ganz Ostdeutschland nahmen an der Jugendkonferenz teil |
In bunter Mischung fanden sich die jugendlichen Delegierten der fünf teilnehmenden Verbände, der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland, der Deutschen Jugendfeuerwehr, dem Bund der Deutschen Landjugend, der Katholischen Landjugendbewegung Deutschlands sowie der Deutschen Sportjugend zu Arbeitsgruppen zusammen und diskutierten engagiert über Themen wie "Jugend- und Jugendverbandsarbeit im ländlichen Raum", "Engagieren, um zu bleiben oder um bleiben zu können", "Gemeinsam sind wir stark: Kooperationsformen engagierter Akteure" oder über "Handlungsmöglichkeiten bei rechtsextremen Erscheinungen".
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In kleinen Runden wurde intensiv diskutiert |
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Die Jugendlichen scheuten sich nicht Klartext zu reden |
Bei diesen TOP 10 fällt besonders ins Auge, dass die Jugendlichen an vorderster Stelle die mangelnde Akzeptanz und Wahrnehmung ihres Engagements und ihrer Potentiale nennen. Die Gesellschaft nehme Jugendliche vor allem als Problem wahr. Die Leistungen der Jugendlichen würden in Medien und Politik viel zu wenig gewürdigt. Weiter bemängeln die Konferenzteilnehmerinnen und -teilnehmer die zu starke Dominanz der Schule im Alltag. Ein hohes Lernpensum und häufig zu lange Schulwege lassen kaum noch Zeit für persönliche Entfaltung und ehernamtliches Engagement. Hieran knüpft auch die dritte von zehn Forderungen an. Um Schule und Ehrenamt zeitlich miteinander vereinbaren zu können, fordern die jugendlichen Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Jugendkonferenz, dass freiwilliges Engagement in Schule, Ausbildung und Beruf integriert und die Anerkennung freiwilligen Engagements gesteigert werden sollen.
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Das Image Ostdeutschlands ist den Jugendlichen zufolge nicht das Beste |
Alle zehn Forderungen der Jugendkonferenz "Perspektive Land" kann man in der Dokumentation der Veranstaltung nachlesen, die unter www.jugendstiftung-perspektiven.org bereitgestellt wird..
Das ist das besondere Verdienst der Jugendkonferenz in Berlin. Erstmals die zahlreichen und unterschiedlichen Problemstellungen in den verschiedenen Bereichen der Jugend- und Jugendverbandsarbeit auf zehn aus Jugendsicht wichtigsten Forderungen zu fokussieren und diese sowohl in die Verbände als auch in den politischen Raum zu tragen.
Abschließend zeigten sich sowohl die sechs Organisatoren als auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung hoch zufrieden. Für Begeisterung sorgten neben dem hohen Engagementpotenzial der Anwesenden auch der Gewinn bringende,rege Austausch untereinander. Es konnten viele neue Kontakte geknüpft und Anregungen für das eigene Engagement mit nach Hause genommen werden. Möglicherweise wurde auch der Grundstein für neue, verbandsübergreifende Kooperationen gelegt. Wir dürfen gespannt sein, was die Zukunft bringt.
Am Rande der Jugendkonferenz haben wir einige Jugendliche zu ihrem Engagement, ihrer Motivation zu der Veranstaltung nach Berlin zu kommen und ihren persönlichen Wünschen und Zielen befragt:
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Margit (20), Studentin aus Brandenburg an der Havel |
Seit 6 Jahren engagiere ich mich im Bund der Katholischen Jugend und bin dort Leiterin von Kinder- und Jugendgruppen. Von der Teilnahme an der Jugendkonferenz "Perspektive Land" verspreche ich mir vor allem Orientierung für mein eigenes Engagement und einen intensiven Austausch mit anderen in Verbänden engagierten Jugendlichen. Das ist auch der Grund, warum ich mich für die Mitarbeit im Workshop "Engagement in und für das Gemeinwesen: Aktivierung von individuellen Engagementformen" entschieden habe. Ich will mehr erfahren über die unterschiedlichen Motivationen der Jugendlichen sich ehrenamtlich zu engagieren - vor allem in nichtkonfessionellen Jugendprojekten. Ich bin gespannt auf neue Ansätze und Ideen und wünsche mir ein Signal der Konferenz für mehr nachhaltige Jugendarbeit. Verbände und Politik müssen näher ran an die Menschen - insbesondere an die Jugendlichen. Nur so können sie erfahren, was vor Ort wirklich gebraucht und gewollt wird.
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Paulus (23), Auszubildender aus Berlin |
Ich nehme für die KLJB an der Jugendkonferenz teil. Auch wenn ich meinen Heimatort in Sachsen-Anhalt schon vor einigen Jahren verlassen habe, finde ich die Themen der Tagung hochinteressant und die Veranstaltung als solche extrem wichtig. Wie die meisten der TeilnehmerInnen bin ich schon längere Zeit ehrenamtlich engagiert und kenne die Situation in den ländlichen Räumen Ostdeutschlands aus eigener Erfahrung. Das Hauptproblem dort ist, dass Jugendliche nicht so ohne weiteres für gemeinnütziges Engagement zu begeistern sind. Besonders dankbar bin ich daher für die Möglichkeit über die anwesenden Jugendlichen der verschiedenen Verbände eine Vielzahl von Lösungsansätzen zu dieser Problematik kennen zu lernen.
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Andrea (22), Studentin aus Cottbus |
Durch meine Mitarbeit im Vorstand der Landjugend Berlin-Brandenburg bin ich jeden Tag aufs neue mit den Themen der Jugendkonferenz konfrontiert. Bei uns in der Region ist vor allem der um sich greifende Rechtsradikalismus ein großes und leider von offizieller Seite arg unterschätztes Problem. Dem haben wir im Moment kaum etwas entgegenzusetzen. Ein Jugendsozialarbeiter betreut die Jugendlichen aus 26 Gemeinden. Wie soll man da ernstzunehmende Alternativen bieten? Ich möchte hier auf der Konferenz Kontakte für neue Kooperationen über Verbandsgrenzen hinweg knüpfen. In Zeiten knapper Kassen, sehe ich darin die vielversprechendste Möglichkeit, weiterhin gute Jugendarbeit machen zu können.
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Christopher (19), Student aus Anklam |
Für die Deutsche Sportjugend habe ich hier auf der Konferenz die Moderation des Workshops "Jugend- und Jugendverbandsarbeit im ländlichen Raum" übernommen. Mit diesem Thema kenne ich mich bestens aus. Mein Heimatverband, die Sportjugend Ostvorpommern, verzeichnet nach Jahren der rückläufigen Mitgliederzahlen wieder regen Zulauf - in allen Altersgruppen. Das Geheimnis dieses Erfolgs? Wir haben unser Angebot radikal der Nachfrage in unserer Region angepasst. Manchmal muss man sich von Gewohntem verabschieden, will man auf Dauer bestehen. Diese positive Erfahrung möchte ich gerne hier in Berlin einbringen. Natürlich bin ich auch gespannt, was sich die anderen Verbände einfallen lassen, um neue Mitglieder zu gewinnen. Der Demografische Wandel ist ein nicht wegzudiskutierendes Fakt. In den ländlichen Räumen Ostdeutschlands sind wir besonders betroffen. Die Jugendkonferenz "Perspektive Land" kann einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung von Handlungsstrategien leisten. Ich wünsche mir, dass die Entscheidungsträger in Politik und Verbänden genau hinhören, wenn wir ihnen von den Ergebnissen dieser Veranstaltung berichten.






