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Teil 3 der jugend aktiv! - Serie: Ein völlig neuer Tunnelblick

15.02.2007: Unterführungen und Tunnel haben oft einen muffigen Charakter. Sie riechen übel, sind grau und irgendwie ist man froh, wenn man nicht durch sie hindurch muss. Wenn ein Tunnel aber mehr als nur eine Unterführung ist und zu einer touristischen Attraktion gehört, kann er ganz schnell eine neue Bedeutung erlangen. Dann bietet er Platz für Kunst. In Lychen gibt es so einen besonderen Tunnel und diesen attraktiv zu gestalten, war die Idee eines "jugend aktiv!" Projektes.

(Text: Katharina Mews / Kerstin Müller)

Kunst gegen Schmiererei

  
 

Viel Arbeit war es, diesen beschmierten Tunnel neu zu gestalten

Die kleine Stadt Lychen in Brandenburg ist ein staatlich anerkannter Erholungsort. Mitten durch die Stadt führt der internationale Radweg Berlin-Kopenhagen. Er verbindet die beiden Hauptstädte auf einer Strecke von 630 Kilometern. Gern machen Radtouristen in Lychen eine Rast und entspannen in der malerischen Landschaft des Naturparks Uckermärkische Seen. Zur Sicherheit der Fahrradfahrer wurde eine Straßenunterführung in Lychen erbaut, die von Beginn an stark genutzt wurde. Doch es dauerte nicht lange, da veränderte sich das Bild des gerade neu gebauten Tunnels. Beschmierte Wände bereiteten den Radfahrern und Wanderern eher schlechte Laune als ein schönes Ausflugsgefühl. "So kann es nicht weitergehen", dachte sich der Bürgermeister der Stadt, Sven Klemckow, und machte sich auf die Suche nach Freiwilligen für die Umgestaltung der Unterführung. Und er fand sie: Eine Jugendgruppe des Freizeittreffs Lychen entwickelte die Idee, den Graffiti-Schmierern mit den eigenen Mitteln etwas entgegenzusetzen. Bewusst ausgewählte Bilder sollten an die Wände gesprüht werden und die Touristen wieder zur Durchfahrt einladen. Die Intention der Jugendlichen war dabei alles andere als eigennützig. "Das Projekt trägt zur Verschönerung unserer Stadt bei und die Möglichkeit, legal Graffiti zu sprühen und es als Kunst im Ort zu etablieren, hat uns unheimlich animiert", erzählen die Jugendlichen.

Großes Projekt für Lychen

Die zwölf- bis siebzehnjährigen Jugendlichen besuchen in ihrer Freizeit häufig den Freizeittreff Lychen, der etwa einen Kilometer vom Tunnel entfernt ist. Sie identifizieren sich mit ihrer Heimat und möchten gerne zur Erhöhung ihrer Attraktivität beitragen. Tatkräftige Unterstützung bei dem Projekt "Tunnel-Graffiti" gab es durch die Leiterin des Hauses. Der Träger des Freizeittreffs, der Arbeitsförderverein, beantragte beim Förderprogramm "jugend aktiv!" der Stiftung Demokratische Jugend 500 Euro. Das Geld wurde bewilligt und der Realisierung des Projektes stand nichts mehr im Wege.

  

Die beiden Sprayer aus Templin

 

Schnell konnten die Jugendlichen zwei gute Sprayer aus dem nahegelegenen Templin für ihr Projekt gewinnen. Ihr Talent hatten beide schon vorher auf Papier und Leinwand gezeigt. So ein großes Projekt war aber auch für sie neu. "An größere Formate konnte ich mich schon deshalb nicht heran trauen, weil das ziemlich ins Geld geht. Jede Sprühflasche kostet 3,50 Euro und ein paar Dutzend werden schon benötigt." erzählt einer der jungen Künstler. Umso größer war die Motivation, sich künstlerisch zu entfalten und gleichzeitig einen Beitrag für die Stadt zu leisten.

Weihnachtsmann und Eisvogel

  
 

Der berühmte Lychener Eisvogel

Die Idee für die Gestaltung des Tunnels kam schnell. "Wir wollen ihn mit Graffiti gestalten, indem wir typische Wahrzeichen, wie den Eisvogel für unsere Stadt und den Weihnachtsmann des Himmelpforter Weihnachtspostamtes, darstellen. Der Biker soll somit einen visuellen Blick und Vorfreude auf Lychen bzw. Himmelpfort erhalten" . Himmelpfort liegt im Westen Lychens und ist genau wie Lychen ein beliebter Urlaubsort. Bekannt ist es vor allem als "Postamt des Weihnachtsmanns", das Jahr für Jahr viele Briefe von Kindern aus aller Welt erreicht.

  

Ein Einblick in die Landschaft

 

Dann legten die Sprayer los. Stück für Stück entstanden ineinander fließende Buchstaben - die Ortsnamen "Lychen" und "Himmelpfort", verziert durch die Logos der Stadt. Charakteristische Landschaftsbilder vervollständigen das Bild und machen Geschmack auf die traumhafte Landschaft in der Umgebung. Die Arbeit an den Projekt war nicht immer leicht für die jungen Künstler: "An manchen Tagen war das Wetter sehr mies, es war kalt und der Wind machte uns beim Sprayen zu schaffen." Aber ihre Motivation ließ nicht nach und die gemeinsame Arbeit machte großen Spaß. Allein waren die Jugendlichen fast nie. Fahrradfahrer legten einen Stop ein und beobachteten neugierig die Vorgänge. Auch Freizeittreff-Jugendliche wollten sich die Aktion nicht entgehen lassen. So verfolgten viele Zuschauer das Entstehen des "Tunnel-Graffitis" mit.

Anerkennung von allen Seiten

Wenn die Schüler heute ihr Projekt betrachten, schauen sie mit Stolz zurück:"Mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden. Wir haben Anerkennung durch den Bürgermeister, den Arbeitsförderverein, viele Mitschüler und Passanten erhalten". Positive Resonanz kam von allen Seiten. Der Bürgermeister betont: "Es gab zahlreiche Projekte und Aktivitäten in den vergangenen Jahren, die gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern und dem Lehrpersonal der Gesamtschulen veranstaltet wurden. Aber dieses Projekt war etwas ganz neues für uns. Ich habe die Jugendlichen mit einigen Abgeordneten selbst besucht, um sie bei ihrer Tätigkeit zu motivieren und ihnen zu danken. Wir finden es gut, das sie sich bei der Entwicklung und Verschönerung unserer Stadt Lychen aktiv beteiligen." Bei der Frage, ob er Lust hätte, ein neues Projekt zu unterstützen, ist die Antwort eindeutig: "Ja, immer! Was wären wir denn auch ohne unsere jungen Menschen?"


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