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Ganz nah dran: Zeitenspringer bei der Arbeit

23.07.2008: Teil 7: "Die Schule war der kulturelle Mittelpunkt im Dorf" - Auf Zeitzeugenspur in Nuthetal!

(Text/Fotos: Brigitta Hafiz)


In der Nähe von Potsdam, hinter den Bahngleisen liegt der Ort Rehbrücke. Biegt man von der Hauptstraße ab, gelangt man auf eine ländlich wirkende Straße. Das alte Gebäude auf der linken Seite interessiert die Zeitenspringer aus Nuthetal besonders: sie wollen wissen, wie es hier, in der "Alten Schule" mal ausgesehen hatte. Steven, Benjamin, Elias und Benedix sind zwischen 10 und 11 Jahre alt und erkunden die Geschichte des Hauses, das jetzt ein Mehrgenerationenhaus ist und von ihnen als Jugendtreff genutzt wird.

  
 

Zeitenspringer treffen eine Zeitzeugin

Heute hat sich für 16.00 Uhr Frau L. angekündigt, eine ehemalige Lehrerin, 82 Jahre alt. Frau L. kommt eine Stunde zu früh und so suchen Benjamin und Elias noch schnell den Zettel mit den vorbereiteten Fragen. Doch Frau L. beginnt sofort mit dem Erzählen, so dass die Jungen erst einmal nur zuzuhören brauchen. Mit Kriegsende 1945 kam Frau L. nach Rehbrücke, direkt nach ihrer Lehrerprüfung und begann in der Schule zu unterrichten. Zwar gab es in der ersten Zeit keine Schulbücher, doch dafür erhielt jeder Schüler und jede Schülerin ein Brötchen in der Pause. "Es war eine schwere Zeit, doch wir waren fröhlich, denn der Krieg war vorbei." Rehbrücke sei damals noch ein großes Bauerndorf gewesen, das nicht vom Potsdamer Luftangriff im April 1945 größten Teils betroffen war. Erst mit der Zwangskollektivierung habe der Ort seinen dörflichen Charakter verloren. Die Schule sei lange Zeit kultureller Mittelpunkt im Dorf gewesen. An den Festen beteiligten sich die Schüler und Lehrer genauso, wie an Ernteeinsätzen. "Einen Wunsch hätte ich noch: es wäre doch besonders schön, wenn das Erntedankfest wieder zum Leben erweckt werden würde. Die Schule war damals der dörfliche Mittelpunkt, gemeinsam mit der Gaststätte und nahm immer an den Festumzügen teil." Obwohl nun schon fast eine Stunde vergangen ist, wollen Steven, Benjamin, Elias und Bendix unbedingt noch die mitgebrachten Fotos anschauen. Sie sind fasziniert von den Schwarzweißfotos, auf denen sie Bekanntes wieder entdecken und sich somit auf eine kleine Zeitreise begeben. Sie wollen ganz genau wissen, welche Gebäude es gab und wozu sie früher dienten. Benjamin stellt anhand der Fotos fest, dass es eine Turnhalle gegeben hat, die auch für Veranstaltungen genutzt wurde. Viele Fotos zeigen singende und musizierende Kinder, "Die Musik war mir immer sehr wichtig." fügt Frau L. hinzu, die in der Schule auch ihren Ehemann kennen gelernt hat. "Die Mädchen berichteten mir in der Pause, dass ein neuer Lehrer in die Schule gekommen ist. Und meine Schülerinnen sagten, er sähe so gut aus, den müsse ich unbedingt heiraten" erzählt Frau L. lachend und ergänzt: "Später kam es dann auch dazu."

Die Zeitenspringer freuen sich besonders über die großzügigen Fotoleihgaben von Frau L., die sie für ihre Ausstellung nutzen wollen. Sie haben auch schon genaue Vorstellungen davon, wie sie ihre Ergebnisse präsentieren werden. Die Ideen dafür erhielten sie im Workshop, den ein "Ausstellungsprofi" von der Agentur freybeuter durchgeführt hat, organisiert vom Landesjugendring Brandenburg. "Hier konnten wir schon eigene Plakate anfertigen. Das hat riesigen Spaß gemacht..." erklärt Elias und rollt die bunten Papierrollen aus. Steven und Benjamin zeigen auf den Zeitstrahl am Eingang: "Wir sind schon bis in die 1950er Jahre gekommen, einige Abschnitte fehlen uns noch." Der Zeitstrahl soll unbedingt in die geplante Ausstellung aufgenommen werden.

Jetzt treffen sie sich einmal wöchentlich, um Interviews zu führen oder zu recherchieren. Über 20 Zeitzeugen konnten sie ausfindig machen, ehemalige Schüler oder Lehrer ganz unterschiedlichen Alters. "Wenn das Projekt abgeschlossen ist, wollen wir weiter machen, es gibt bestimmt noch mehr zu erforschen. Geschichte ist cool!", sind sich die vier einig.


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