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Ganz nah dran: Zeitenspringer bei der Arbeit

03.09.2008: Teil 8: Pack die Badehose ein... / Historische Bademodenschau in Cotta


(Text: Marco Süßmitt / Fotos: Ricardo Glaser)

Samstagmittag, Dresden - Cotta. Im "Hebbelbad", einem idyllisch gelegenen Stadtteilfreibad findet eine ganz besondere Veranstaltung statt. Das Zeitenspringerteam der QAD mbH lädt ein zur historischen Bademodenschau und möchte die Entwicklungen der Emanzipation und Freizügigkeit zwischen Männern und Frauen sowie den gesellschaftlichen Akzeptanzwandel erhellen.

  

Die Sonne scheint fast ungestört an diesem 30. August in Dresden. Ab 13.00 Uhr hat das Hebbelbad anlässlich dieser Projektpräsentation für alle Besucherinnen und Interessenten kostenfrei geöffnet und der Lockruf der Bademodenschau bleibt nicht ungehört. Bis 14.00 Uhr treffen immer mehr junge und ältere Menschen aus dem Stadtteil ein, um die Ergebnisse von mehreren Monaten Recherche-, Näh- und Probearbeiten das erste Mal live zu erleben.

Pünktlich um 14.00 Uhr betreten Steffi Ulbricht und Marco Süßmitt, die beiden Projektleiter, die Bühne und stimmen die Gäste auf das kommende Programm ein. Vor allem Marco, der die Projektgruppe intensiv betreut hatte, geht auf die vergangenen Wochen und Monate ein und würdigt die Leistungen der jungen Menschen und deren Mut für diesen außergewöhnlichen Auftritt. Nachdem Ricardo Glaser von der Sächsischen Jugendstiftung die Einbindung in das Förderprogramm Zeitensprünge dargestellt hat, gehört die Bühne endlich und ausschließlich den Zeitenspringern und ihren Ergebnissen.

  

Zwei Jugendliche übernehmen die Moderation der Modenschau und führen durch die abwechslungsreiche Show. Neben den, nach historischen Vorlagen entworfenen und selbstgenähten Modellen, gab es echte Raritäten zu bestaunen. Frau Birkenstein, eine Zeitzeugin, stellte dafür den 70 Jahre alten braunen Badeanzug ihres Vaters zur Verfügung. Michael der ihn vorführte, macht auch heute noch eine sportliche Figur darin. Auf jeden Fall gelang es den Jugendlichen in ihrer 40minütigen Schau einen Überblick der Bademoden des letzten Jahrhunderts zu geben.

Mit einem phantasievollen Modell richteten die Jugendlichen ihren Blick auf die Zukunft und sprachen damit gleichfalls die Bedeutung von städtischer Naherholung an. Konnte die unmittelbare Bedrohung einer Schließung des Bades durch die QAD mbH abgewendet wurden, ist der langfristige Betrieb keinesfalls sicher.

Diese Bademodenschau des Dresdner Zeitenspringerteams der QAD mbH stellt einen Höhepunkt in der Projektlaufzeit dar. Andere sind die Zeitzeugeninterviews und die Broschüre zum Dresdner Hebbelbad, die bis zur Präsentation der Zeitensprünge-Projekte im Sächsischen Landtag am 21.11. entsteht. Weiterhin wird es eine Live-radiosendung bei Coloradio Dresden geben.

Die Idee der Bademodenschau wurde eigentlich aus einer Not heraus geboren, sagt Marco Süßmitt: "Wir waren im Dresdner Stadtarchiv und näherten uns unserem Thema nicht. Die Jugendlichen konnten die altdeutsche Handschrift der damaligen Archivare nicht lesen und verloren die Lust auf das Projekt. So haben wir uns mit diesem unkonventionellen Mittel der Geschichtsforschung an das Vorhaben gemacht."

  

Anfangs waren die Teilnehmenden auch von dieser Methode nicht so ganz überzeugt. Die Erwartung im Rampenlicht auf der Bühne zu stehen, wurde von Unsicherheit begleitet. Erst mit der konsequenten Bestärkung durch die Fachanleiterinnen und Fachanleitern der Jugendwerkstatt gewann das Vorhaben an Deutlichkeit. Die Stützlehrerin im Projekt, Sabine Sieber, nutzte ihre Kontakte ins Stadttheater Meißen und entlieh Kostüme für diesen Tag. Als ehemalige Berufsschullehrerin für Textiltechnik freute sie sich, ihre Erfahrungen beim Entwerfen der Bademoden einzubringen. Mehr und mehr brachten sich die beteiligten Jugendlichen in das Projekt ein. Dabei blieb eine Ungewissheit bis zum Tag der Aufführung, denn die Projektteilnehmer, alle in der Jugendwerkstatt "mc mampf" beschäftigt, sind in einer berufsvorbereitenden Maßnahme und haben teilweise ihre Schwierigkeiten mit Verbindlich- und Zuverlässigkeit. Letztlich waren bis auf einen alle 24 Jugendliche ins Cottaer Freibad gekommen. Sie präsentierten 26 Modelle und lasen verschiedene Beiträge zur Geschichte des Freibadens.

Den Zeitenspringern der Jugendwerkstatt "mc mampf" der QAD mbH weiterhin viel Erfolg beim Springen durch die Zeit und auf ein Wiedersehen im zum Ju-gendgeschichtstag am 21.11. im Sächsischen Landtag in Dresden.

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