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Ganz nah dran: Zeitenspringer bei der Arbeit

01.10.2008: Teil 10: Von Polyluxen und Traktoren. Generationen-Diskussion in Kirchheilingen


(Text / Fotos: Andre Neumann)

Im beschaulichen Kirchheilingen im Unstrut-Hainich Kreis in Thüringen gehört die Landwirtschaft seit jeher fest zum Leben - beruflich und auch privat in der Familie. Das Leben auf dem Land hat sich in den letzten gut 50 Jahren nicht grundlegend geändert, die grundlegende Situation aber schon. Aus der LPG wurde die Agrargenossenschaft in Kirchheilingen und noch heute gehört sie zu den bedeutendsten Unternehmen im Ort.

  
 

Generationen-Diskussion in Kirchheilingen. Der Einladung der Zeitenspringer waren viele gefolgt

An einem sonnigen Nachmittag im September 2008 trafen sich verschiedene Generationen zu einem gemütlichen Erfahrungsaustausch zusammen, um sich detailliert über vergangene und aktuelle Zeiten zu unterhalten und über das zu sprechen, das die Landwirtschaft geprägt hat. Geladen hatte das AWO Jugendwerk in die Begegnungsstätte des Orts. 15 Zeitenspringer um die engagierte Projektleiterin Josefine Meng vom AWO Kreisverband Bad Langensalza hatten bereits im Vorfeld Informationen aus Büchern, Aufzeichnungen und Befragungen zusammengetragen, um sie mit den 16 anwesenden Seniorinnen und Senioren aus dem kleinen Thüringer Ort zu diskutieren. Die Generationsübergreifende Zusammenführung gelang nur bedingt. Die Jugendlichen auf der einen, die Zeitzeugen auf der anderen Seite des Raumes, konnten an diesem Nachmittag aber zumindest eine Annäherung der Epochen erreichen.

  

Zeitenspringer Jan Gißke schreibt alles mit...

 

Während der Polylux die akribisch recherchierten Ergebnisse und Bestandsaufnahmen der ersten Fotos und Dokumente nur widerwillig an die Wand projizierte, weil er immer wieder ausfiel, waren sich die Zeitzeugen auch nicht immer ganz einig darüber, wer wie viel Land und Vieh besaß, abzugeben hatte oder wer welchen Traktor in der Scheune stehen hatte. Zwischen und auch während der teils lautstarken Diskussionen durften die Jugendlichen aber immer wieder Zeugen interessanter, auch trauriger Geschichten und Erfahrungen aus vergangener Zeit lauschen. So erfuhren sie zum Beispiel, welchen Druck die Bauern vom Staat erdulden mussten, das sie sich aber durchaus zu wehren wussten, indem sie sich untereinander halfen. Besonders diese Zwänge und der auferlegte Inventarbeitrag erhitzte damals wie heute die Gemüter. Auch die Erfahrung, wie schwer es seien kann, Aussagen von Zeitzeugen auf ihre Richtigkeit hin zu untersuchen, die Geschichte über das geschriebene Wort hinaus zu überprüfen, dürfte den Zeitenspringern an diesem Nachmittag klar geworden sein.

  
 

Das Zeitenspringerteam

Trotz aller Widrigkeiten war in dem bis zum letzten Stuhl gefüllten Raum Geschichte spürbar und sehr lebendig. Zeitenspringer Jan Gißke führte Protokoll und wünscht sich am Ende des Projekts eine Broschüre, die als Chronik zu verwenden ist. Zeitzeugin Ortrud Steger ist sich sicher, das der Austausch wichtig ist, da vielen jungen Menschen heutzutage nicht klar ist, unter welchen Bedingungen die vorherigen Generationen gelebt und gearbeitet haben. Sie begrüßt das Interesse der Jugendlichen und geht Unstimmigkeiten keinesfalls aus dem Weg, wenn dadurch die Schicksale der Bauern in ihrem Ort, 100%-ig der Wahrheit entsprechend, an die Nachwelt übermittelt werden können.

Das Zeitensprünge-Projekt "Ein landwirtschaftlicher Lebenslauf" macht klar: Nur der Generationenübergreifende Austausch kann Geschichte erlebbar und nachvollziehbar machen.

  

MP3-Audio-Donwload (3 MB): Zeitzeugin Ortrud Steger im Gespräch

MP3-Audio-Donwload (2 MB): Voll im Gange: Die Diskussion

Lernen Sie das Projekt persönlich kennen! Am 2.12.2008 auf dem Jugendgeschichtstag im Landtag in Erfurt!


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