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Kontakt mit der Vergangenheit

08.12.2008: 4. Jugendgeschichtstag in Thüringen

(Text: Andre Neumann / Fotos: Alex Geyer

  
Am Dienstag, den 2. Dezember versammelten sich über 200 Zeitenspringer, Experten, Wissenschaftler, Politiker und Zeitzeugen im Thüringer Landtag zum mittlerweile 4. Thüringer Jugendgeschichtstag. Die Aufregung bei den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern aus dem gesamten Freistaat war wie immer groß, wollten sie doch ihre Ergebnisse aus einem guten Jahr Recherche und Nachforschungen in ihrem lokalen Umfeld erstmals einer breiten Öffentlichkeit präsentieren. So herrschte bereits vor Beginn der eigentlichen Veranstaltung auf dem eigens dafür eingerichteten Thüringer Projektmarkt "Geschichtsbilder" reges Treiben. Puppen, Klanginstallationen, Beamer, Laptops, Nähkästchen, Wandtafeln und sogar ein Bahnhofsmodell wurden installiert und in Szene gesetzt.

  

Magie- & Musikcomedy-Duo „Die Buschs“

 

Zur Einstimmung begann der 4. Thüringer Jugendgeschichtstag pünktlich um 13.00 Uhr mit dem Magie- & Musikcomedy-Duo "Die Buschs". Der charmant, chaotische Zirkus mitten im Thüringer Parlament gefiel dem Publikum und sorgte von Beginn an für eine lockere Atmosphäre.

  
 

Peter Weise, Landesgeschäftsführer des Landesjugendring Thüringen e.V.

Peter Weise, Landesgeschäftsführer des Landesjugendring Thüringen e.V. eröffnete daraufhin in seiner Begrüßungsrede die Veranstaltung offiziell. Er hob hervor, dass die Zeitenspringer lokalhistorische Fragen gestellt haben, die vorher zum Teil noch nie gestellt wurden. Er lobte die zeitintensive Recherche, die zielorientierte Aufbereitung und die, trotz der hier und da vorhandenen Motivationslücken in den Sommermonaten, hingebungsvolle Arbeit bis zur Projektpräsentation.

  

Gastgeberin Birgit Pelke, Vizepräsidentin des Thüringer Landtags

 

Gastgeberin Birgit Pelke, Vizepräsidentin des Thüringer Landtags, beschrieb in ihrer Rede, wie aufregend der Kontakt mit der Geschichte sein kann, wenn er über das Authentische, die persönliche Erinnerung hergestellt wurde. Sie erklärte weiter: "Nur wer weiß, wo er her kommt und durch was er geprägt ist, kann seine Zukunft aktiv gestalten" und stellte damit heraus, das die Auseinandersetzung mit lokaler Geschichte zu lokaler Identität führen kann, die auch für junge Menschen im 21. Jahrhundert von enormer Wichtigkeit ist und Perspektiven aufzeigen kann.

Thomas Heppener, kommissarischer Geschäftsführer der Stiftung Demokratische Jugend, konnte daraufhin den Projektmarkt "Geschichtsbilder" eröffnen und versuchte die Zeitenspringer dazu anzuregen, das Entdeckte auch zu bewerten, zu hinterfragen: "Warum haben Menschen in der Vergangenheit so gehandelt?" und so auch das eigene Tun in der Gegenwart immer wieder zu reflektieren.

  
 

Bahnhofsmodell der Zeitenspringer aus Herbsleben

Auf dem anschließenden Projektmarkt im Landtagsgebäude wurde(n) Thüringer Geschichte(n) gezeigt und ausgetauscht. Und es ging sehr lebendig zu... So befragte beispielsweise das Jakult-Team aus Bad Lobenstein Zeitzeugen, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Ihre Recherchen führten sie sogar auf eine Reise nach Breslau, die damalige Heimatstadt eines ihrer Zeitzeugen. Dabei entstand ein Film, eine Hörgeschichte und eine Multimediapräsentation. Das Zeitenspringer-Team aus Herbsleben untersuchte die Geschichte des alten Bahnhof im Ort, der seit 10 Jahren leer stand und zunehmend verwahrloste. Durch die Aufbereitung der Geschichte erhofften sich die Jugendlichen Impulse und Diskussionen zu einem neuen Nutzungskonzept für das Gebäude. Leider ist der Bahnhof mittlerweile abgerissen, doch waren die Bemühungen keineswegs umsonst, da das Team durch seine Arbeit zumindest ein kleines Stück Geschichte aufbereiten und für die Nachwelt bewahren konnte. Es entstand unter anderem ein Modell des Bahnhofsgebäudes.

  

Was ist Hardanger?

 

"Hardanger - was ist das?" Die Antwort auf diese Frage bekamen die Besucher auf eindrucksvolle Weise am Stand der Zeitenspringer aus Menteroda. Die Jugendlichen untersuchten diese alte Sticktechnik und bewiesen das Handarbeit nicht nur für die Großmutter anziehend ist.Diese kleine Auswahl zeigt die Bandbreite des bunten Potpourri aus Präsentationen, Filmen, Fotos, Schriftstücken und allerhand gefüllten Ständen, die Interessantes anschaulich zu erzählen hatten. Dazwischen zu finden: Immer wieder Zeitenspringer mit Zettel und Stift, auf der Suche nach Antworten für das alljährliche Geschichtsquiz mit Überfliegerpreisen...

  
 

Workshop: Vorurteile in der Historiographie

In den folgenden Workshops hatten die Gäste die Qual der Wahl aus drei Themen. Das Bündnis gegen Rechtsextremismus aus Weimar berichtete über ihr Projekt "Zug der Erinnerung". Wissenschaftler der Universität Bielefeld untersuchten mit den Teilnehmenden Vorurteile in der Historiographie. Ganz praktische Hinweise zum Verlagswesen gab es für die Nachwuchsforscher im dritten Workshop mit Heinrich Jung, Geschäftsführer des historischen Verlag Zella-Mehlis.

Den Ausklang gab wiederum das Duo "Die Buschs" und animierte die Masse noch einmal kräftig zum mitmachen, bevor der 4. Thüringer Jugendgeschichtstag mit der Auswertung und Preisverleihung (Hauptgewinn: ein Rundflug über Thüringen) des beliebten Geschichtsquiz sein Ende fand.


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