"So war das wirklich! Geschichte(n) auf der Spur!"s
17.11.2008: 4. Jugendgeschichtstag in Mecklenburg-Vorpommern
(Text/Fotos: Kerstin Müller, Anselm Meyer)
Jugendgeschichtstag in Schwerin - das bedeutet eine Galerie an Projekten des Jugendprogramms "Zeitensprünge", in der jährlich Geschichte und Gegenwart aufeinander treffen. So auch in diesem Jahr. Eröffnet wurde der Tag am 13. November 2008 von den Zeitenspringern der Schule am Schäferteich in Rostock. "15 sein in Rostock - ich heute, meine Eltern damals". Eine amüsante Gegenüberstellung von FDJ und Cliquen, Ost- und Westfernsehen, Telefon und Handygeneration lud die anwesenden Politiker, Gäste und Förderer ein, sich einem wichtigen Thema des Tages anzunähern: Der DDR Geschichte.
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Begrüßungstalk mit Heike Thomas (1. v. r.) |
Nach diesem bunten Einstieg in den Tag und den Eröffnungsworten von Dirk Siebernik vom Veranstalter Landesjugendring Mecklenburg-Vorpommern e.V. betonte Heike Thomas, Programmberaterin in der Stiftung Demokratische Jugend, im Begrüßungstalk: "Zeitensprünge war damals das Experiment, Jugend und Geschichte zusammenzubringen. Heute, nach 5 Jahren und 4 Jugendgeschichtstagen, können wir mit Stolz sagen: 10.000 Jugendliche aus den ostdeutschen Bundesländern haben sich in fast 1.000 Projekten mit der Vergangenheit ihrer Region beschäftigt. Unser Dank gilt den Projektbetreuern, vor allem aber den Jugendlichen."
Zurück zum Thema des Tages. DDR, Mauerfall, Ost und West - diese Themen standen im Mittelpunkt des vierten Jugendgeschichtstages. Regisseur und Ehrengast, Christian Schwochow, präsentierte Ausschnitte aus seinem aktuellen Kinofilm "Novemberkind" und stand in einem Jugendgeschichtstalk gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidenten Erwin Sellering Rede und Antwort zur eigenen Ost-West Vergangenheit, zu bestehenden und verflogenen Vorurteilen und den Möglichkeiten der jüngeren Generation, das Zusammenwachsen zu beschleunigen. "Ich bin mir sicher, dass die Unterschiede zwischen Ost und West eine immer geringere Rolle spielen werden. Die jüngeren Generationen wachsen immer mehr zusammen - bei meinen Töchtern existieren da schon gar keine Vorurteile und Unterschiede mehr", prognostizierte der Ministerpräsident.
Als Erwin Sellering dann die Projektmesse besuchte, ging es im Landtag um DDR und Mauerfall vor 20 Jahren, aber auch um Demokratie und Toleranz 2008. Über eine Stunde nahm sich der frisch gewählte Ministerpräsident Zeit, um die Jugendlichen nach ihren Projektergebnisse zu befragen, ihnen von eigenen Erinnerungen zu erzählen und immer wieder eins zu tun: die jungen Zeitenspringer zu loben. Die Anerkennung kam bei den Jugendlichen an - Stolz und Ehre lang in der Luft, Geschenke für den Ministerpräsidenten wurden persönlich überreicht, erste Ideen für neue Projekte im kommenden Jahr ausgetauscht.
Einen feierlichen Abschluss fand der Jugendgeschichtstag beim offiziellen Abend der Begegnung im Schlosscafé. Auch in diesem Jahr hatte Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider die Jugendlichen zu einem Empfang eingeladen.
| Anselm Meyer leistet sein FSJ Kultur in der Koordinierungsstelle "Perspektiven für junge Menschen". Er hat sich die Projekte auf dem Jugendgeschichtstag näher angeschaut und zwei Projekte interviewt! |
Projekt: "Stolpersteine in Hagenow"
Zeitenspringer:
Heinrich Weber (11), Nele Groth (11), Neele Bruhns (12), Torge Speßhardt (12), Robert Wichern (12), Mathias Lübbe (11), Till Naurer (10) und Richard Marlow (10)
Anselm Meyer: "Was genau habt ihr in eurem Projekt gemacht ?"
Heinrich: "Wir haben das Schicksal der jüdischen Familie Meining aus Hagenow recherchiert, und heraus gefunden, dass sie von den Nazis verschleppt und umgebracht wurde."
Anselm: "Und wie seid ihr genau auf dieses Thema gekommen?"
Nele: "Unsere Lehrerin hat ein Buch über den Nationalsozialismus mit in die Schule gebracht, das uns alle sehr interessiert hat. Deswegen haben wir angefangen zu recherchieren wie das bei uns in Hagenow war." Robert: "Wir wollen jetzt vor das Haus in dem die Familie gewohnt hat, die "Stolpersteine" verlegen"
Anselm: "Gab oder gibt es Probleme bei eurem Projekt - und wie habt ihr diese gelöst ?"
Torge:"Das Hauptproblem ist das Geld. Die "Stolpersteine" sind sehr teuer."
Heinrich: "Und um mehr Geld zu bekommen, haben wir einen "Sozialen Tag" gemacht, auf dem wir Spenden gesammelt haben. Aber wir können erst 2009 die Steine verlegen lassen. Wir haben auch mit der Bürgermeisterin gesprochen und von unserem Projekt erzählt."
Anselm: "Wollt ihr weiter recherchieren?"
Heinrich: "Ja, haben wir auch schon. Wir wollen auch weitere "Stolpersteine" verlegen."
Anselm: "Was habt ihr aus der Projektarbeit gelernt und für euch mitgenommen?"
Neele: "Wir haben gelernt, wie schrecklich und grauenhaft die Geschichte des Nationalsozialismus ist." Mathias: "Ja, das stimmt. Und wir haben noch gelernt, wie man mit Zeitzeugen umgehen muss."
Anselm: "Wie würdet ihr euer Projekt beurteilen?"
Heinrich und Nele: "Es war sehr erfolgreich, weil wir viele Leute interessieren konnten, und über die Familie Meining informieren konnten."
Projekt: "Staatsbesuch Castro in Dummerstorf"
Zeitenspringer:
Florence (18), Christopher (18)
Anselm: "Was genau habt ihr dieses mal erforscht?"
Florence:"Also wir haben dieses mal den Besuch von Fidel Castro in Dummerstorf erforscht und heraus gefunden, dass Castro während seines Besuches 20 Minuten verschwunden ist! Als wir diese Geschichte gehört haben, entschlossen wir uns , doch mal genauer nachzuforschen."
Anselm: "Ihr wart ja schon öfter bei dem Programm dabei. Alte Hasen in Sachen Zeitensprünge, sozusagen"
Florence: "Ja wir haben jetzt schon viermal mitgemacht."
Christoph: "Von daher wussten wir auch wie wir die Zeitzeugen z.B. ansprechen mussten, und wie man eine Präsentation der Ergebnisse herstellt."
Anselm: "Es gab also keine großen Probleme bei der Recherche und der anfallenden Arbeit ?"
Christoph: "Genau, wir konnten ja schon auf Erfahrungen zurückgreifen. Das Spannende dieses mal war das Detail, dass Fidel Castro tatsächlich 20 Minuten verschwunden war, während er die LPG Dummerstorf besichtigte. Wir konnten natürlich auch auf eine Menge Zeitzeugen zurückgreifen, da viele das Ereignis noch in guter Erinnerung hatten."
| Vielen Dank für eure Antworten und weiterhin viel Erfolg! |







