Wurzeln - Roots
08.06.2010: Über eine schweißtreibende Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie
Fotos und Text: André Neumann
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Tanztheater-Ensemble |
Im Rahmen des Jugendprogramms Zeitensprünge 2010 feierte das Ensemble des Tanztheater Erfurt e.V. unter der Leitung von Choreografin Ester Ambrosino am 5. Juni die Premiere des Stücks "Wurzeln" im Erfurter Stadtgarten. Bis kurz vor Beginn der Vorstellung herrschte reges Treiben in dem riesigen Saal. Die letzten "Toi, Toi, Toi´s" wurden hoffnungsvoll über die jungen Schultern geflüstert, ein großer weißer Kubus in Position gebracht und schließlich die Türen geöffnet. Der große Saal war sehr gut gefüllt. Spannung lag in der Luft.
In sehr kurzer Zeit entstand ein Stück über die jeweiligen Geburtsjahre der jungen Tänzerinnen und Tänzer. Sie hatten in ihren eigenen Biografien geforscht und gesellschaftliche, kulturelle sowie politische Themen recherchiert und diese durch Zeitzeugeninterviews aus dem eigenen persönlichen Umfeld audiovisuell aufbereitet. "Wir haben 14-15 Interviews geführt, aber im eigentlichen Stück haben wir uns auf 3 Geschichten beschränkt", berichtet Choreografin Ester Ambrosino.
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Ester Ambrosino |
Die gebürtige Italienerin weiß: "Die Bühne schweißt zusammen. Während unserer gemeinsamen Arbeit sind Freundschaften entstanden. Wir haben viel Material gesichtet und über unsere eigene Vergangenheit versucht, die korrespondierende Bewegung dazu zu finden. Die Idee treibt die Bewegung und niemals umgekehrt. Für mich ist wichtig, dass sich beim Tanzen, aber auch etwas in den Jugendlichen selbst bewegt." Der Mauerfall 1989, die Popkultur der 80er Jahre oder der Wimbledon Sieg 1985 von Tennislegende Boris Becker fanden so ihren Weg in "Wurzeln".
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Daniela Backhaus |
Als Projektionsfläche dienten ein großer, weißer, beweglicher Kubus und die Tänzerinnen und Tänzer selbst. Daniela Backhaus ist ausgebildete Tänzerin im Ensemble des Tanztheater Erfurt, sie spielt eine der Hauptrollen: "Die meisten im Team sind aber Quereinsteiger im Alter von 15-26 Jahren. Die Mutter von Fabian zum Beispiel lag während des Mauerfalls gerade in den Wehen mit ihm. Das war schon eine spannende Geschichte, die wir auch im Bühnenbild eingebaut haben. Auf einer Seite des Kubus steht 1989 und wenn seine Seitenteile auseinander fallen, symbolisiert das den Fall der Berliner Mauer."
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In Aktion mit dem Kubus |
Überhaupt bietet der Kubus ungeahnte Möglichkeiten. Er dient mal als Bühne, mal als Leinwand, mal als Wohnzimmer oder eben als Berliner Mauer. "Er dreht sich auch. Wie die Zeit es auch tut. Unser Bühnenbildner Günther Lerz hat ihn gebaut", erzählt Ester Ambrosino mit leuchtenden Augen.
Neben den Videos vom Beamer werden Zitate der Interviewten auf der Tonebene eingespielt und mit Bongos und Maultrommel von dem Erfurter Percussionisten Stefan Mälzer unterstützt. Im Vordergrund stehen aber die gefühlvollen und doch energetischen Performances der Tänzerinnen und Tänzer. Eine schweißtreibende Auseinandersetzung mit der eigenen Biographie, die vom Publikum begeistert gefeiert wurde.
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Tanz |
Eine gelungene Premiere, meint Tänzerin Daniela Backhaus: "Klar gehen immer mal Dinge schief, Hauptsache, es merkt niemand."
"Ich bin superglücklich", merkt Choreografin Ester Ambrosino an. "Was wir in dieser kurzen Zeit geschafft haben! Mein Ensemble besteht ja nicht aus Profis. Sie sind alle sehr unterschiedlich. Oft haben wir am Wochenende zwischen Schule und Ausbildung diskutiert und geübt. Länger als 4 Stunden am Stück kannst du aber auch nicht proben.
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Geschafft - Verbeugung |
Es erfordert viel Disziplin und Konzentration - neben der körperlichen Anstrengung. Über die eigenen Biografien zum Modernen Tanz, dafür benötigt man auch Vertrauen, muss sich auf die Gruppe verlassen und auch loslassen können. Was jetzt weiter passiert, müssen wir sehen. Je nachdem, wie ich die jungen Leute zusammenhalten kann, wollen wir das Stück auch weiter spielen. Vielleicht gibt es schon im Herbst neue Aufführungen. Die Anfragen laufen."
Mehr Infos: www.tanztheater-erfurt.de







