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"Noch viel mehr Fragen stellen"

21.11.2007: Erster gemeinsamer Jugendgeschichtstag Berlin/Brandenburg

(Text/Fotos: Kerstin Müller)

Es war eine gelungene Premiere - und eine bunte Mischung, als am 15. November 2007 rund 50 Zeitensprünge - Projekte aus Berlin und Brandenburg beim ersten gemeinsamen Jugendgeschichtstag in Potsdam ihre Projektergebnisse der Öffentlichkeit vorstellten. Da trafen sich Jugendliche aus Pritzwalk und Kreuzberg, aus Klein Leppin und Spandau. Gemeinsam hatten sie alle eins: Sie haben in den vergangenen sechs Monaten jede Menge herausgefunden und viel zu erzählen.

  
 

Es gibt noch so viel zu erforschen...

Man konnte erfahren, wie aus einem Schweinestall ein Festspielhaus wurde, warum in Karlshorst ein Sperrgebiet errichtet wurde, warum Straßen nach Menschen benannt werden und die Zuckerfabrik in Nauen immer schon eine wichtige Bedeutung für ihre Stadt hatte. Die Jugendlichen haben mit viel Liebe zum Detail ihre Projektergebnisse in Filmen, Collagen und Modellen präsentiert.

Das Engagement der jungen Menschen stand an diesem Tag im Mittelpunkt. Bernd Mones, Geschäftsführer des Landesjugendrings Brandenburg, lobte die vielen Zeitenspringer in seiner Eröffnungsrede: "Ihr könnt stolz sein, dass ihr euch auf die Reise zurück in die Vergangenheit gemacht habt. Über euch und eure Projekte wird geredet und damit beweist ihr den Mut, euch auch mit schwierigen Themen auseinander zusetzen." Er bedankte sich auch bei Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck für die Übernahme der Schirmherrschaft des Jugendgeschichtstages.

  

Talkrunde auf dem Jugendgeschichtstag: Thomas Heppener (Stiftung Demokratische Jugend, 2. v.r.) diskutierte u.a. mit Andreas Hilliger vom Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (mi.)

 

Welchen Gewinn die Auseinandersetzung mit der Lokal- und Regionalgeschichte für die Jugendlichen mit sich bringt, war Thema in einer Talkrunde. Thomas Heppener, Vorstandsmitglied der Stiftung Demokratische Jugend, animierte das jugendliche Publikum zum weiteren Eintauchen in die Geschichte: "Die Menschen neigen dazu, vieles einfach hinzunehmen. Wir müssen noch viel mehr Fragen stellen. Stellt die mutigen Fragen!" Christine von Blanckenburg vom nexus Institut ergänzte: "Die Vergangenheit führt immer in die Zukunft. Jugendliche, die an Zeitensprünge teilnehmen, erleben diese Erkenntnisse und trauen sich zu, ein aktiver Teil der Zukunft zu werden." Der Zeitenspringer Lasse Rosenfeld brauchte nicht viele Worte, um seine Begeisterung auszudrücken: "Ich würde so ein Projekt total gerne noch mal machen, ich habe so viel erfahren, was ich vorher überhaupt nicht wusste."

  
 

Der Zeitenspringer Dennis erzählt Andreas Pautzke vom Projekt

Geschichten kennen lernen, von denen man vorher nichts wusste - Andreas Pautzke, Geschäftsführer der Stiftung Demokratische Jugend, lud die rund 200 Gäste des Jugendgeschichtstages dazu ein, sich auf der Projektmesse umzuschauen und miteinander ins Gespräch zu kommen. "Wir als Stiftung sind stolz, dass so viele Jugendliche bei unserem Jugendprogramm Zeitensprünge mitmachen. Nutzen Sie heute und hier die Chance und stellen Sie den jungen Historikern Fragen - sie werden sehen, viele der Jugendlichen sind zu Experten für lokalhistorische Fragen geworden."

  

Thomas Heppener erfährt etwas von Nele Tast über Klein Leppin

 

Für die Projektmesse verwandelte sich das Alte Rathaus in Potsdam in eine Zeitmaschine. Auf zwei Etagen präsentierten die Jugendlichen ihre Zeitzeugeninterviews und Archiv-Dokumente, schwarz-weiße Originalfotos und echte Fundstücke der Vergangenheit. Und wer sich die Zeit nahm, konnte erfahren, was die Zeitenspringer mit ihren Projekten über die Vergangenheit für die Gegenwart und Zukunft bewegen konnten. Nele Tast aus Klein Leppin erzählte: "Bei uns in Klein Leppin wohnen nur noch 70 Menschen. Darunter sind nicht mal zehn Jugendliche. Wir haben für unser Projekt fast alle Jugendlichen im Ort zusammengetrommelt um den alten Schweinestall umzukrempeln. Jetzt wird der Schweinstall als Festspielhaus genutzt und bei der letzten Aufführung waren 500 Menschen - sogar aus Berlin - bei uns in Klein Leppin." Dennis Krause vom Berliner Projekt "Gäste, die blieben", erzählte mit ähnlich funkelnden Augen: "Wir haben in unserem Projekt gelernt, was Integration und Migration bedeutet. Menschen haben nicht immer da, wo sie leben, ihre Heimat. Man kann auch mehrere Heimaten haben."

  
 

Kreativ waren die Zeitenspringer auch in diesem Jahr

Es war ein spannender und informativer Tag. Und ein besonderer. Zum ersten Mal haben zwei Bundesländer gemeinsam ihre Projekte vorgestellt. Ein Versuch, der gelungen ist und man kann sich auf das nächste Jahr freuen. Bis dahin kann wieder viel geforscht und entdeckt werden.


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