Startseite | Kontakt | Termine | Meldungen | Sitemap | Impressum | Suchen

Die Koordinierungsstelle
Wer wir sind
Handlungsbereiche
Fördermöglichkeiten
MitarbeiterInnen
Fachbeirat
FSJ Kultur
Reportagen
Downloads und Formulare
Aktuelles
Förderprogramme
Wettbewerbe
Regionale Netzwerke
Modellprogramm "erste Schwelle"
Reporter `89
Partner
Service
Pressebereich
Veranstaltungen


Newsletter-Abo
Email-Adresse:
 >>
Banner: verbund
Banner: praktikuss

Gemeinsam gegen Abwanderung - Fachkonferenz in Magdeburg

01.03.2006: "Wir haben ein gemeinsames Problem", so der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Prof. Dr. Wolfgang Böhmer, auf der Fachkonferenz zu Perspektiven für junge Menschen in Magdeburg.

Die hohen Arbeitslosenzahlen, vor allem die hohe Jugendarbeitslosigkeit und der anhaltende negative Abwanderungssaldo beträfen die neuen Bundesländer gleichermaßen und machten deutlich, wie wichtig es sei, jungen Menschen in den ostdeutschen Regionen neue Perspektiven zu ermöglichen und die Entwicklung des Wirtschaftsstandorts "Neue Bundesländer" voranzutreiben.

  
 

Ministerpräsident Böhmer bei der Eröffnungsrede

Unter dem Titel "Neue Länder - Region mit Zukunft" waren auf Einladung der Arbeitsministerien der neuen Länder, Berlins und der Stiftung Demokratische Jugend am 20. Februar rund 650 Personen zusammengekommen. Experten aus der Wissenschaft, der Politik, der Wirtschaft und der Jugendarbeit waren der Einladung ins Maritim Hotel Magdeburg gefolgt, um gemeinsam neue Ideen zu entwickeln, wie die Region Ostdeutschland vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung vorangebracht und Jugendlichen eine sinnvolle Lebensperspektive im Land geboten werden könnte. Anlass für diese erste Jugendkonferenz, die in dieser Form einmalig war und die künftig einmal im Jahr stattfinden soll, bildeten die ähnlichen Entwicklungen und Herausforderungen der ostdeutschen Bundesländer. Ministerpräsident Böhmer aber auch Rainer Haseloff, Staatssekretär für Arbeit in Sachsen-Anhalt, betonte, dass es darauf ankomme, die gemeinsamen Probleme "mit einer Stimme" vorzutragen.

Wiederkommen fördern - Heimatverbundenheit stärken

  

Ministerpräsident Böhmer mit Rainer Haseloff, Staatssekretär für Arbeit in Sachsen-Anhalt

 

Eines der wichtigsten Ziele neben der Schaffung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen sei vor allem, den Abwanderungssaldo auszugleichen und junge Frauen und Männer an ihr Heimatland zu binden, so der Ministerpräsident bei seiner Eröffnungsrede zum Auftakt der Konferenz. "Dabei wollen wir die jungen Leute, die weggehen wollen, natürlich nicht einmauern, aber wir wollen, dass sie die Möglichkeit haben, einen attraktiven Job zu finden, eine Aufgabe, an der sie wachsen können." Es sei kein Drama, wenn ostdeutsche Jugendliche für eine gute Ausbildung auch in andere Bundesländer wechselten, solange sie und auch andere dann "klüger" und "reicher" wieder zurückkehrten oder sich eine Zukunft in Ostdeutschland aufbauten. "Und da haben wir eine große Chance", sagte Böhmer. Schließlich wisse er, dass viele Abgewanderte großes Heimweh hätten und sich mancherorts wie z.B. in Aschaffenburg in sogenannten "Ossi-Treffs" austauschten - ein Beleg dafür, dass sie gerne zurückkommen würden.

Eine gerade veröffentlichte Studie habe ergeben, dass etwa die Hälfte aller Zuwanderer in Sachsen-Anhalt Rückkehrer seien, so Böhmer. Die Untersuchung von Gründen und Motiven für die Abwanderung aus den ostdeutschen Ländern zeige auch auf, dass nicht allein fehlende Arbeit oder Ausbildung für den Weggang verantwortlich sind, sondern vielmehr persönliche Kontakte und die regionale Verwurzelung eine wichtige Rolle spielten und eine starke Bindungskraft darstellten. Heimatverbundenheit sei in diesem Zusammenhang ein Wert, der bislang unterschätzt werde, so Böhmer, und der bei der Entscheidung über Bleiben oder Gehen genau wie das allgemeine Lebensumfeld eine ganz wichtige Rolle spiele.

"Wachsender Bedarf an jungen Fachkräften"

  
 

Publikum

Um den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu begegnen, gelte es verstärkt, den Wunsch nach Kindern zu fördern, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu gestalten sowie ein familienfreundliches Arbeitsklima zu schaffen, erklärte Böhmer mit Blick auf die demographische Entwicklung. Zudem verdecke die nach wie vor hohe Arbeitslosigkeit, dass es bereits jetzt Probleme gebe, Stellen mit qualifizierten Facharbeitern zu besetzen. Auch die Unternehmen müssten daran interessiert sein, mehr in Ausbildung zu investieren, denn schon jetzt sei es in einigen Branchen mühsam, gute und qualifizierte Fachkräfte zu bekommen, so der Ministerpräsident weiter. Was bislang nur am Rande eine Rolle spielte, werde bald ein zentrales Thema der öffentlichen Diskussion sein, so Böhmer. Der Ministerpräsident sieht hierin eine der wichtigsten Aufgaben von Politik und Wirtschaft. Er stellte heraus, dass Unternehmen mehr in ihre Mitarbeiter investieren müssten, schon allein um die eigene Zukunftsfähigkeit zu sichern.

"Ostdeutschland braucht Innovation und Unternehmertum"

  

Anton Milner, Vorstandschef Q-Cells

 

Der Vorstandschef der Solarfirma Q-Cells aus Sachsen-Anhalt, Anton Milner, sah das ähnlich. Er referierte im Anschluss an die Eröffnungsworte Böhmers über das junge, aufstrebende Solarunternehmen mit Sitz in Bitterfeld, die Standortvorteile der neuen Bundesländer und die guten Möglichkeiten in diesen Regionen für Zukunftsbranchen wie sie auch die Photovoltaik darstellt. "Deswegen werden wir in ca. zehn bis 20 Jahren eine stark wachsende Branche haben, die viele Arbeitsplätze bieten und für ein kleines Jobwunder in allen ostdeutschen Bundesländern sorgen wird", so der Vorstandschef bestimmt. Durch die Hightech-Orientierung sei die Branche schon jetzt überaus attraktiv und biete gerade jungen, gutqualifizierten Menschen eine langfristige Perspektive. Das noch junge aber stark wachsende Unternehmen mit mittlerweile rund 800 Mitarbeitern betreibt einen kontinuierlichen Ausbau seiner Ausbildungskapazitäten. Anton Milner verspricht sich davon vor allem eine hohe Verbundenheit mit dem Unternehmen und der Region. Er beendete deshalb auch seinen Vortrag mit den Worten: "Wenn man vergisst auszubilden, dann hat man aufgehört sich zu entwickeln".

  
 

Prof. Dr. Ulrich Blum, Institut für Wirtschaftsforschung Halle

Für Prof. Dr. Ulrich Blum vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) bestehen nach wie vor Probleme in den ostdeutschen Transferökonomien, die durch das Risiko der "demographischen Implosion" noch verschärft werden. Deshalb gelte es, diese Lücke zwischen Inlandsproduktion und Inlandsnachfrage zu schließen, vor allem mittelständische Unternehmen zu fördern und einen Überschuss an hochqualifizierten jungen Menschen für den Arbeitsmarkt verfügbar zu machen, denn nur solche Länder, die dieses Ziel verfolgten, würden künftig auch zu Wohlstandsregionen gezählt werden können, so der Wissenschaftler. "Da wir aber weder ein Land sind, das genügend Kinder noch eine positive Emigrationspolitik hat, werden wir ohne eine ausreichende Anzahl von qualifizierten Facharbeitern nicht überleben können", sagte er weiter.

"Markt der Möglichkeiten"

  

"Markt der Möglichkeiten"

 

Wie bereits bestehende und erfolgreich laufende Projekte aussehen können, die sich damit beschäftigen, den Fachkräftebedarf der neuen Länder zu sichern, der Jugendarbeitslosigkeit entgegenzuwirken oder das Heimatgefühl von jungen Menschen zu stärken, darüber konnten sich alle Anwesenden auf dem sogenannten "Markt der Möglichkeiten" genauer informieren. Ob es sich dabei um die Kontaktagentur "mv4you" aus Mecklenburg-Vorpommern handelte, die Initiative "Junge Karrieren Mitteldeutschland (JuKaM) aus Sachsen-Anhalt, das Projekt "Sachse komm zurück" oder um das Projekt "Mädchen-Zukunftswerkstatt" aus Brandenburg und die Netzwerkstelle "Land.Leben.Kunst.Werk e.V." aus Sachsen-Anhalt.

  
 

Ute Karger, Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit

Hier gab es Gelegenheit sich umfassend zu informieren und sich über die Erfahrungen mit anderen Interessierten auszutauschen. Das bestätigte auch die Leiterin der Mädchenzukunftswerkstatt Sonja Roque, die mit einem Stand auf dem Markt der Möglichkeiten vertreten war. "Wir finden es toll, hier zu sein und unsere Erfahrungen weitergeben zu können", sagte sie. Die MädchenZukunftsWerkstatt, gefördert durch die Stiftung Demokratische Jugend, zeigt mit ihrer Arbeit, wie man Jugendliche über die Berufe informieren kann, die in der Region eine Zukunft haben, wie man durch Firmenbesuche das Interesse daran weckt und sie bei der Bewerbung unterstützt.

Am Nachmittag des Konferenztages konnte in Foren und Workshops über Themen wie Demografische Entwicklung, Ausbildung und Vermittlung von Jugendlichen in Arbeit diskutiert werden und auch darüber, mit welchen Konzepten der Jugendarbeitslosigkeit und der Abwanderung junger Menschen begegnet werden kann. Acht Workshops gaben Gelegenheit sich den unterschiedlichen Aspekten dieser Thematik zu widmen und die eigenen Erfahrungen aus den einzelnen Ländern in die Entwicklung von Lösungswegen mit einzubringen.

"Eine gesellschaftliche Aufgabe"

  

Ländervertreter bei der Abschlussdiskussion

 

Am Ende dieser ersten Jugendkonferenz diskutierten die Ländervertreter ihre verschiedenen Programme, junge Menschen im Land zu halten oder zurückzuholen bei einer abschließenden Podiumsdiskussion. Dabei gab es weitreichenden Konsens darüber, dass die gegenwärtigen Entwicklungen nicht als Risiko, sondern auch als Chance begriffen werden müssten und man gemeinsam auf eine integrierte Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik sowie eine kontrollierte Zuwanderungspolitik setzen müsse. Helmut Holter (PDS), Minister für Arbeit, Bau und Landesentwicklung in Mecklenburg-Vorpommern, forderte in diesem Zusammenhang, dass mit dem Bild, der Osten sei "verödet, verblödet und vergreist" endlich Schluss gemacht werden müsste. "Wir müssen endlich weg von der Resignation", sagte er, und dass sei nicht nur eine arbeitsmarktpolitische Maßnahme, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe.

  
 

Herr Dr. Fricke vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Wirtschaftsstaatssekretär Dr. Reiner Haseloff erklärte, dass Jugendlichen eine Perspektive in ihrer Region zu bieten, in Zukunft auch für die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft entscheidend sein würde. "Der Jugendarbeitslosigkeit müsse man deshalb früh entgegentreten." Keiner dürfe auf der Strecke bleiben, so Haseloff. Um dem Fachkräftemangel etwas entgegenzusetzen hob Herr Dr. Fricke vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) die besondere Rolle "weicher Haltefaktoren" hervor, die bereits Thema des Workshops Nr. 4 waren. Die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements, das Stärken zivilgesellschaftlicher Strukturen und horizontaler Netzwerkarbeit, wo Jugendliche Verantwortung übernehmen könnten, sei entscheidend. Er schloss mit dem Satz: "Es gilt die Folgen der demographischen Entwicklung so in den Griff zu bekommen, dass wir zukünftig in den Regionen nicht nur Seniorenheime haben". Und Frau Susanne Ahlers von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen ergänzte: "Wichtig ist, dass Jugendliche nicht nur über ihre Defizite definiert werden, und dass man nicht vergisst, dass zum Leben mehr gehört als der Arbeitsplatz."

Zum Überblick über die einzelnen Workshop-Ergebnisse>>


Zum SeitenbeginnVersendenDruckansicht