"Die, die da sind, sind genau die Richtigen!"- Erfolgreicher open space-Workshop in Berlin
08.09.2008: "Schöne Aussichten für Mädchen und junge Frauen in Ostdeutschland" - So lautete der Titel des open space-Workshops, zu dem die Koordinierungsstelle in der Stiftung Demokratische Jugend am 03.09.2008 Expertinnen und Experten aus Politik und Jugendarbeit der neuen Bundesländer und Berlin geladen hatte.
(Text/Fotos: Kai Schubert)
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Knapp 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wollten am 03.09.2008 in Berlin mitdiskutieren |
Knapp fünfzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen die Gelegenheit wahr und nutzen diese erste länderübergreifende Plattform zur Diskussion und zum Erfahrungsaustausch. Der rege Zuspruch verdeutlicht, welche Brisanz das Thema in den Neuen Ländern hat. Dort ist der Anteil der jungen Frauen an der Gesamtbevölkerung seit der Wende um ein Viertel zurückgegangen.
Einerseits laufen die jungen Frauen scharenweise davon, andererseits wird in der ostdeutschen Wirtschaft zunehmend über den Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften geklagt. Vielerorts bleiben Stellen unbesetzt. Zukünftig werden junge, gut ausgebildete Frauen in Ostdeutschland deutlich höhere Chancen auf Arbeits- und Ausbildungsplätze vorfinden - nur sind die Frauen dann noch da oder kommen bereits Abgewanderte wieder zurück? Es gilt zügig aber nachhaltig Rahmenbedingungen zu schaffen, die neue Lebens- und Erwerbsverläufe von Frauen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen. Wie können diese Bedingungen aussehen und was kann getan werden um weitere Abwanderung gerade der jungen Frauen zu verhindern? Diese und andere Fragen waren Mittelpunkt des open space.
Was können Jugendarbeit und regionale Akteure tun?
Es sollten Antworten gefunden und gemeinsam Ideen entwickelt werden, was Jugendarbeit und weitere regionale Akteure gemeinsam tun können, um Mädchen und jungen Frauen Perspektiven und Chancen in ihren Heimatregionen aufzuzeigen. In ihren Begrüßungsworten äußerte Heidemarie Rubart, Leiterin der Koordinierungsstelle "Perspektiven für junge Menschen" in der Stiftung Demokratische Jugend, den Wunsch, daß "die Stiftung durch die Veranstaltung konkrete Impulse für ihre Netzwerkarbeit erhält um sich zukünftig noch wirkungsvoller für Perspektiven junger Frauen in den neuen Bundesländern einsetzen zu können."
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Heidemarie Rubart wünscht sich weitere Impulse für die Netzwerkarbeit der Stiftung |
Es wurde unter anderem diskutiert, ob bürgerschaftliches Engagement schon in jungen Jahren ein Haltefaktor sein kann, welche Unterstützungsangebote hinsichtlich Lebensplanung und Berufswahl für junge Frauen geeignet sind, ob es überhaupt verschiedene Angebote für Jungen und Mädchen braucht und ob freies Unternehmertum eine Möglichkeit sein kann, junge Frauen in der Region zu halten. Ein vielschichtiger Themenkomplex, dem sich die Anwesenden über den Tag sehr erfolgreich annähern konnten. Dabei wurde folgendes deutlich:
Junge Frauen entscheiden sich immer noch auffällig häufig für frauenspezifische Berufe.
Junge Frauen wissen nur sehr schlecht Bescheid über mögliche Perspektiven, die ihnen ihre Region bietet.
Junge Frauen "verkaufen" sich häufig unter Wert, weil Sie sich ihrer guten Qualifikation nicht bewusst sind. Entweder bewerben sie sich erst gar nicht auf eine Stelle, oder ihnen fehlt beim Vorstellungsgespräch das nötige Selbstvertrauen, um den potentiellen Arbeitgeber von sich zu überzeugen.
Genau an dieser Stelle muss angesetzt werden. Coaching- und Mentoring-Programme, die in einzelnen Ländern bereits durchgeführt wurden, haben sich dabei als besonders erfolgreich erwiesen.
Politik und Wirtschaft müssen umdenken
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Am Beginn des Workshops waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufgefordert ihre Anliegen zum Thema zu formulieren und vorzustellen |
Klar wurde auch, dass es nicht nur darum gehen kann junge Frauen mit mehr Selbstbewusstsein auszustatten. Die Politik ist gefordert, sich dafür stark zu machen, dass bereits in Schule, noch stärker als bisher, Praxisnähe und das Wissen über die verschiedenen Möglichkeiten der Lebensplanung vermittelt werden. Es müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, um dauerhafte und nachhaltige Kooperationen von Schule und Jugendarbeit mit der Wirtschaft zu ermöglichen. Nur so können die zukunftsrelevanten Bereiche Schule und Ausbildung gemeinsam diskutiert und gestaltet werden. Gefordert wurde auch ein Bewusstseinswandel in der Wirtschaft. Schon hinsichtlich ihrer Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft können es sich Unternehmen in den ländlichen und strukturschwachen Regionen Ostdeutschlands nicht länger erlauben die Potentiale junger Frauen ungenutzt zu lassen. Sie sind darüber hinaus gefordert familienfreundlichere Arbeitsbedingungen zu schaffen. Mutterschaft darf gerade in diesen Regionen nicht länger ein Karrierehindernis sein.
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Über den Tag wurde in wechselnden Gruppen über die eingebrachten Anliegen lebhaft diskutiert |
In einer großen Schlussrunde zogen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine durchweg positive Bilanz der Veranstaltung. Alle konnten interessante Anregungen, konkrete Ideen und neue Kontakte mit nach Hause nehmen. Besonders fruchtbar war der Austausch über die Ländergrenzen hinweg, da jedes der Neuen Bundesländer bereits eigene Initiativen zu dieser Problematik auf den Weg gebracht hat. Der open space "Schöne Aussichten für Mädchen und junge Frauen in Ostdeutschland" ermöglichte es erstmals, diesen reichen Schatz an Erfahrungen zu bündeln und für alle am Thema Interessierten nutzbar zu machen.
| Die Dokumentation des open space "Schöne Aussichten für Mädchen und junge Frauen in Ostdeutschland" finden sie hier. |






