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Geschichte ist hinter jeder Haustür - man braucht nur anzuklopfen

11.11.2008: Zeitensprünge 2008 - Gemeinsamer Jugendgeschichtstag Berlins und Brandenburgs im Fontane-Haus in Berlin-Reinickendorf

(Text/Fotos: Kai Schubert)

  

Die Jugendlichen vom Jugendclub IKARUS aus Berlin mit ihrem Modell der historischen Wilhelmstraße

 

Auch 2008 haben die jugendlichen Geschichtsforscher des Programms "Zeitensprünge" der Stiftung Demokratische Jugend an viele Haustüren in Berlin und Brandenburg geklopft, um der Geschichte ihrer Heimatorte und -kieze auf die Spur zu kommen. 54 Projektgruppen präsentierten am Freitag, den 07. November 2008, im Fontane-Haus in Berlin-Reinickendorf, was sie herausgefunden haben, nachdem ihnen die Türen geöffnet worden waren.

  
 

Heidemarie Rubart im Gespräch mit den Zeitenspringern vom Mädchenclub "Tivolotte" aus Berlin

Große Begeisterung über das freiwillige Engagement der Jugendlichen und ihre vielen interessanten Entdeckungen herrschte bei den extra zum Jugendgeschichtstag angereisten Verantwortlichen aus Politik und Jugendarbeit. Bernd Mones, Geschäftsführer des LJR Brandenburg, pflichtete in seinen Begrüßungsworten dem Schirmherren der Veranstaltung, dem Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Matthias Platzeck, bei: "Der Ansatz, Jugendliche mit dem Programm "Zeitensprünge" für Heimatgeschichte zu interessieren und sie zum aktiven Mitgestalten zu bewegen, geht auf! Der zweite gemeinsame Jugendgeschichtstag Berlins und Brandenburgs belegt das eindrücklich." Alleine dieses Jahr waren über 350 Jugendliche in Berlin und Brandenburg aktiv daran beteiligt, bereits in Vergessenheit geratene Regional- und Alltagsgeschichte zu erforschen und wieder ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

  

Hier konnte man viel Interessantes über die alte Schule in Bergholz erfahren

 

Wichtiger Bestandteil der Zeitenspringer-Projektarbeit ist dabei das Interviewen von Zeitzeugen. Mit ihren spannenden, bewegenden, lustigen und in jedem Fall hochinteressanten Geschichten helfen sie den Jugendlichen nachzuempfinden, wie das war - damals. Und wie man ihnen diese Geschichten entlockt, zeigten zwei Zeitenspringerinnen vom Projekt "Eine jüdisch-christliche Lebensgeschichte" der Evangelischen Johannesgemeinde aus Berlin-Lichterfelde. Vor einem gespannt lauschenden Publikum befragten sie den Landesschulrat Hansjürgen Pokall von der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung und Andreas Hilliger, den Abteilungsleiter für Kinder und Jugend im Brandenburgischen Ministerium für Bildung, Jugend und Sport zu ihren Erinnerungen an den 9. November 1989. Zu hören waren zwei anrührende Facetten unserer kollektiven Erinnerung an diesen Freudentag der deutschen Geschichte, die veranschaulichten, wie privat große geschichtliche Ereignisse letztlich doch sind.

Anschließend konnte Heidemarie Rubart, Leiterin der Koordinierungsstelle Perspektiven für junge Menschen in der Stiftung Demokratische Jugend, zur Eröffnung der Zeitensprünge"-Projektmesse eine besonders frohe Botschaft verkünden. Das Deutsche Historische Museum (DHM) in Berlin ist offizieller Partner für den ersten länderübergreifenden Jugendgeschichtstag am 9. November 2009. An diesem historischen Tag - der Fall der Berliner Mauer jährt sich zum zwanzigsten Mal - werden Zeitenspringer aus allen ostdeutschen Bundesländern und Berlin den Schlüterhof des DHM Unter den Linden mit den Ergebnissen ihrer Geschichtsforschung füllen. Und dass sie ihn füllen können, belegen die Forschungsergebnisse aus 2008 der 385 Programmteilnehmer und -teilnehmerinnen aus Brandenburg und Berlin: Die Arbeit der Jugendlichen ist im wahrsten Sinne des Wortes museumsreif!

  
 

Modische Highlights aus fünf Jahrzehnten am Stand der Zeitenspringer aus Lauchhammer

Ein Projekt aus Lauchhammer untersuchte die Amüsiergewohnheiten unserer Eltern und Großeltern zurück bis in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts. Was war los im Ort? Wohin ging man aus? Wie hat sich das im Lauf der Zeit verändert? Welche Musik hörte man? Nebenbei erfuhren die Jugendlichen aber auch das ein oder andere pikante Detail über die erste große Liebe, erste Küsse und den ersten Liebeskummer der eigenen Großmutter. Wie viel Spaß die Jugendlichen bei ihrer Zeitreise zurück in die wilden Zeiten unserer Vorfahren hatten, veranschaulichte ihre phantasievolle Präsentation im Fontanehaus. Neben vielen Bildern und informativen Texten zeigten sie auf Schaufensterpuppen die Mode der vergangenen neun Dekaden. Es gab ein Musikquiz, bei dem es galt, verschiedene Titel zeitlich einzuordnen. Als besonderes "Schmankerl" hatten die Jugendlichen extra Tanzunterricht genommen, um den Teilnehmern am Jugendgeschichtstag vorführen zu können, wie sich der langsame Walzer vom Foxtrott unterscheidet.

  

Die Gruppe aus Berlin-Charlottenburg wagte den Zeitensprung in die Zeit Heinrich Zilles

 

Geschichte zum Selbst erlaufen. Eine genial einfache Idee hatten die Jugendlichen vom Projekt "Zille-Kiez-im-Ohr". Sie pickten sich 10 vermeintlich alltäglich Orte ihres Heimatkiezes in Berlin-Charlottenburg heraus und verfolgten deren Geschichte in die Zeit Heinrich Zilles zurück, der dort bis zu seinem Tod im Jahr 1929 gelebt hat. Was sie herausgefunden haben kann man unter www.zille-kiez-im-ohr.de nachlesen und sich die von den Jugendlichen selbst gesprochenen Geschichten zu jedem der ausgewählten Orte herunterladen. Eine sehr zeitgemäße Idee und ein guter Anlass für einen interessanten und vergnüglichen Herbstspaziergang mitten in Berlin.



Gerade hat die Ausschreibung für Zeitensprünge 2009 begonnen. Das Programm startet in die sechste Runde - es bleibt also weiter spannend. Welchen Themen werden die Zeitenspringer nachgehen? Was werden die jungen Leute herausfinden? Wie präsentieren sie ihre Ergebnisse? Die Antworten auf diese Fragen gibt es auf dem Jugendgeschichtstag 2009 im Deutschen Historischen Museum in Berlin.


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