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"Mitmischen. Mitreden. Mitentscheiden"

08.05.2007: Erfolgreiche Fachtagung der Koordinierungsstelle und des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement

(Text/Fotos: Kerstin Müller)

  
 

Gut besucht: Rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf der Fachtagung

"Engagierte Bildung - Bildung mit Engagement?" - so lautete der Titel der Fachtagung am 4. und 5. Mai 2007 in Halle. Das Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement und die Koordinierungsstelle "Perspektiven für junge Menschen" in der Stiftung Demokratische Jugend hatten zu Vorträgen, Diskussionen und Austausch rund um das Thema Bürgerengagement in Bildung und Schule eingeladen. Etwa 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Ostdeutschland waren der Einladung in die Franckeschen Stiftungen gefolgt.

  

Ganz nah dran: Ministerpräsident Böhmer mit engagierten Jugendlichen

 

Eröffnet wurde die Fachtagung vom Schirmherren persönlich. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Prof. Dr. Wolfgang Böhmer wies gleich zu Beginn entschieden auf die vorhandenen Rahmenbedingungen für Bürgerschaftliches Engagement hin. "Wir leben in einem Staat, der freiwilliges Engagement zulässt und wir müssen uns dafür einsetzen, dass dieser Staat auch so funktioniert. Wir müssen mitreden, mitmischen, mitgestalten und mitentscheiden - und das von Generation zu Generation". Wir seien nicht Objekte der Gesellschaft, sondern Subjekte und es sei Auftrag der Schulen, junge Menschen zu Persönlichkeiten auszubilden, so der Ministerpräsident.

Im anschließenden Begrüßungstalk stellten sich die Leiterin der Koordinierungsstelle, Heidemarie Rubart, Prof. Dr. Thomas Olk, Vorsitzender des Sprecherrats des BBE und Prof. Dr. Christiane Dienel, Staatssekretärin im Sozialministerium Sachsen-Anhalt den Fragen des Moderators Jens Hänisch. Deutlich wurde jede einzelne Intention, sich dem Thema Schule und Bürgerengagement anzunehmen. Heidemarie Rubart nahm Bezug zum Impulsgeber Jugendarbeit: "Wir können allen Jugendlichen in Ostdeutschland, egal ob sie bleiben oder wiederkommen, Perspektiven zur Mitwirkung im Gemeinwesen bieten. Die Schulen werden dabei als mögliche Partner der Jugendarbeit zunehmend wichtige soziale Lernorte für Engagement werden." Daran knüpfte auch die Staatssekretärin an. Ihr Appell war eindeutig: "Schulen sind zukünftig nur noch dann gute Schulen, wenn sie sich öffnen." Und Prof. Dr. Olk nahm seinem späteren Vortrag schon eine wichtige Aussage vorweg: "Schulen müssen zu Gemeinwesenzentren werden."

  
 

Rundgang: Minister Böhmer, Staatssekretärin Dienel, Heidemarie Rubart und Prof. Olk auf dem Markt der Möglichkeiten

Nach diesen praxisorientierten Wünschen an das Bildungssystem hatten die Besucherinnen und Besucher der Fachtagung die Chance, auf einem Markt der Möglichkeiten zahlreiche Projekte kennen zu lernen. Da waren Schülerprojekte und Netzwerkstellen, die Rückkehrinitiativen mv4you und JuKaM, Zeitenspringer und Freiwilligenagenturen. Ministerpräsident Böhmer nahm sich gemeinsam mit Staatssekretärin Prof. Dr. Christiane Dienel, Heidemarie Rubart und Prof. Dr. Thomas Olk Zeit für einen ausführlichen Rundgang. Der Markt der Möglichkeiten wurde zu einem zentralen Platz des Austausches zwischen Akteuren aus Schule, Jugendarbeit und Politik.

  

Reger Austausch: Heidemarie Rubart im Gespräch mit Veit Urban von der Netzwerkstelle Land.Leben.Kunst.Werk.

 

Im Anschluss an den Markt der Möglichkeiten folgte ein Vortrag von Prof. Dr. Thomas Olk. Er formulierte drei klare Anforderungen an die Institution Schule: Bürgerschaftliches Engagement müsse als Bildungsziel anerkannt werden, Formales und Non-Formales Lernen in der Schule bedürfen einer engen Verknüpfung miteinander, z.B. durch Schülerpartizipation, Service - Learning oder Kooperationen von Schulen mit Wirtschaft und Jugendarbeit, und schließlich sei es die Organisationsentwicklung, die den Schulen noch massiv fehle. Die Worte klangen nach - in der folgenden Diskussion beteiligten sich Lehrerinnen und Jugendarbeiter genauso wie Verwaltungsangestellte.

  
 

Im Forum: (v.l. n. r.): Heidemarie Rubart, Ingo Senftleben, Barbara Windorf, Prof. Dr. Christiane Dienel, Sabine Ohse, Ingo Rollwagen

Diskussionen entstanden auch in den unterschiedlichen Fachforen. Die Koordinierungsstelle "Perspektiven für junge Menschen - gemeinsam gegen Abwanderung" präsentierte das Fachforum "Ab- und Zuwanderung in Ostdeutschland: Bürgerschaftliches Engagement als Haltefaktor?" Heidemarie Rubart kam gemeinsam mit dem Bürgermeister von Ortrand, Ingo Senftleben, Staatssekretärin Prof. Dr. Christiane Dienel, Sabine Ohse von mv4you und Ingo Rollwagen von DB Research ins Gespräch. Es wurde gesprochen über Humane Wachstumskerne, Sozialkapital und Chancen der Schrumpfung. Ingo Senftleben berichtete von firmenfinanzierten Schulprojekten, Christiane Dienel sprach von Hochleistungs-Kommunen, die zukünftig ihre eigenen Stärken bestimmen und Ingo Rollwagen deutete auf die positiven Ergebnisse eines zukünftigen Wirtschaftswachstums für die ostdeutschen Bundesländer hin. Heidemarie Rubart vertrat die Anliegen der Stiftung Demokratische Jugend und forderte die weitere Vernetzung in den Kommunen und den Blick auf das qualitative Wachstum der Städte und Gemeinden. Gemeinsam mit Sabine Ohse vertrat sie zudem den Verbund Rück- und Zuwanderung. In Zukunft müssen sich die Arbeitgeber bei den Arbeitnehmern bewerben und durch soziale Rahmenbedingungen und Möglichkeiten des Engagements die Potenziale ihrer Region nutzen, so das Fazit.

Den Abschluss der Fachtagung bildeten verschiedene Arbeitsgruppen. Die zentrale Frage in der von der Koordinierungsstelle ausgerichteten Arbeitsgruppe "Schule, Engagement und regionale Identität" formulierte der Impulsreferent Dr. Hans-Liudger Dienel vom Zentrum für Technik und Gesellschaft an der TU Berlin: Warum füllen die leerer werdenden Schulen ihre räumlichen und zeitlichen Freiräume nicht mit Bürgerschaftlichem Engagement? Eine zentrale Antwort bot er nicht, aber er hinterließ eine Beschreibung für wünschenswerte Schulen, die bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf breite Zustimmung stieß. "Schulen sind ein Ort für Engagement, Objekt von Engagement, Subjekt für Engagement und Lernorte für Engagement."

Ein Fazit zur Fachtagung kam von Prof. Dr. Dr. Wolfgang Edelstein vom Max-Planck Institut. "Die Schulen müssen sich öffnen. Jugendliche wollen sich doch engagieren". Und alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Saal wünschten sich, dass das die Bildungspolitiker endlich hören und aufgreifen.

Im Dezember 2007 wird die Koordinierungsstelle "Perspektiven für junge Menschen" eine weitere Fachtagung veranstalten. Thema wird dann sein "Standortfaktor Fachkräftebedarf?". Erste Informationen folgen in Kürze.
Zugehörige Dateien:
Grußwort zur Fachtagung von Ursula von der LeyenDownload (51 kb)
Projekte kennenlernen: Markt der MöglichkeitenDownload (11 kb)

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