Trend zu schrumpfenden Städten und Gemeinden
07.02.2006: Laut einer im Februar 2006 veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung werden rund 50 Prozent aller deutschen Kommunen bis zum Jahr 2020 zum Teil erheblich schrumpfen. Dies prognostiziert das in diesem Zusammenhang entwickelte Informations- und Frühwarnsystem der Bertelsmann Stiftung für den demographischen Wandel.
Diese Internet-Datenbank stellt Daten zur lokalen Situation in 2.959 untersuchten Kommunen und 432 Landkreisen bereit und zeigt auf, wie sich das Leben in den Städten und Gemeinden durch rückläufige Geburtenzahlen, Abwanderung und den steigenden Anteil älterer Menschen zukünftig grundlegend verändern wird. So gehen die Prognosen beispielsweise davon aus, dass die ostdeutschen Städte Wolfen (Sachsen-Anhalt), Hoyerswerda (Sachsen) und Weisswasser (Sachsen) am stärksten von Alterung und Schrumpfung betroffen sein werden, was auf die besonders starke Abwanderung der 18 - 24-Jährigen in dieser Region zurückzuführen sei, erklärt Carsten Große Starmann von der Bertelsmann Stiftung. Der Bevölkerungsverlust wird in diesen Städten auf bis zu 47 Prozent geschätzt.
Auch wenn sich der Anteil stark schrumpfender Gebiete im Osten konzentriere, sei dies kein eindimensionaler Prozess, wie Carsten Große Starmann sagt. Mit den Schrumpfungsprozessen gingen auch lokale Wachstumsprozesse einher wie z.B. bei den Gewinnnern unter den Kommunen Leipzig, Jena und Erfurt, die bis zum Jahr 2020 mit rund 40 Prozent Bevölkerungszuwachs rechnen können. "Wachstum und Schrumpfung liegen immer mehr beieinander", so Große Starmann.
Dennoch verliere der Osten insgesamt stärker als der Westen. Ostdeutschland sei dem Westen des Landes in dieser Hinsicht gewissermaßen voraus. Was sich also schon jetzt in vielen ostdeutschen Städten und Gemeinden bemerkbar macht, Leerstand, Rückbau von Infrastruktur, Beschäftigungsabbau sowie die Verschlechterung der sozioökonomischen Lebensbedingungen, das wird früher oder später auch für einige westdeutsche Städte gelten. Ein deutliches Signal also, und nicht nur an die betroffenen Gemeinden, die anstehenden Herausforderungen des demographischen Wandels zu erkennen und anzugehen.
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