Heimatschachteln zur Stärkung der Heimatverbundenheit
21.03.2006: Um den Bevölkerungsschwund im Osten zu stoppen, vor allem den Wegzug vieler junger gutausgebildeter und häufig weiblicher Fachkräfte startet die Bundesregierung in Magdeburg mehrere nicht ganz gewöhnliche Modellprojekte gegen Abwanderung und Überalterung ostdeutscher Großstädte und für den Rückzug in diese Regionen.
"Das Heimweh fördern" - unter diesem Motto stand die Veranstaltung in Magdeburg am 20. März, zu der Aufbau-Ost Minister Wolfgang Tiefensee und Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper den Startschuss gaben. Dabei wurden die so genannten "Heimatschachteln" vorgestellt, die bestückt mit kleinen Geschenken wie Eintrittskarten für Magdeburger Sportereignisse, regionale Produkte, Gutscheine für Theaterkarten oder Zeitungsabonnements aber auch mit Informationen zu Rückkehroptionen und Existenzgründung in Ostdeutschland dafür sorgen sollen, die Heimatidentität bei Abgewanderten zu stärken, die Vernetzung unter den ehemaligen Landeskindern anzuregen und nicht zuletzt die Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr zu erhöhen.
Die Soziologie-Professorin Christian Dienel von der Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) und Leiterin der Modellprojekte erklärte in diesem Zusammenhang, die wissenschaftlichen Untersuchungen hätten ergeben, dass Abgewanderte nur dann zurückkehrten, wenn sie eine Bindung an die Heimat und die Kontakte vor Ort hätten. Deswegen sei ein mit den Modellvorhaben verbundenes Ziel, unter den jungen qualifizierten Abwanderern die Bindung an die Heimat und das "Magdeburg-Gefühl" zu erhalten sowie konkrete Optionen zur späteren Rückwanderung zu eröffnen. "Weggehen und Wiederkommen" lautet das Credo des Magdeburger Pilotprojektes zur Förderung der Rückwanderung in die neuen Bundesländer, das demnächst auch auf andere von Einwohnerschwund geplagte Großstädte in Ostdeutschland übertragen werden soll.
Die Geschenkpakete, die ab sofort an alle 18- bis 30-Jährigen versendet werden, die in den vergangenen Monaten das Bundesland verlassen haben oder dies in der nächsten Zeit tun, werden von der Hochschule Magdeburg-Stendal, der Universität Leipzig und dem Nexus Institut Berlin entwickelt und versandt und sind Teil dreier Pilotstrategien zur Förderung der Rückwanderung nach Ostdeutschland, die vom Bundesministerium für Bau, Verkehr und Stadtentwicklung durchgeführt werden. Gemeinsames Ziel dieser Vorhaben ist, ergänzend zur wissenschaftlichen Untersuchung des Phänomens Rückwanderung auch unmittelbar wirksame Pilotprojekte anzustoßen, "Projekte zum Anfassen" wie Frau Dienel erklärt. Neben dem Versand der "Heimatschachteln" werden deshalb die Vernetzungswebsite www.kontakt-ostdeutschland.de entwickelt und eine Rückkehragentur gegründet, die Rückkehrwillige bei der Arbeits- und Wohnungssuche unterstützt. Bereits ins Leben gerufen ist das Modellprojekt "Familienfreundliche Hochschule", mit dem vor allem junge studierende Mütter bei der Kinderbetreuung entlastet und damit am Hochschulstandort Magdeburg-Stendal gehalten werden sollen.
Einer erst kürzlich veröffentlichten Prognose des Berlin-Instituts zufolge sind insbesondere die ostdeutschen Großstädte von Überalterung und Abwanderung betroffen, mit steigender Tendenz. So hat Magdeburg seit der Wende fast 60.000 Einwohnerinnen und Einwohner verloren, ganz Sachsen-Anhalt rund zehn Prozent seiner Bevölkerung.






