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Spannend bis zum letzten Augenblick

18.07.2007: Der Luthersaal des Erfurter Augustinerklosters wirkte am 17. Juli 2007 nicht nur wegen der angenehm kühlen Temperatur erfrischend. Auch die Jugendlichen, die an diesem Tag die Hauptrollen spielten, brachten Leben in das Kloster. Es war der Abschluss des diesjährigen Wettbewerbs "Jugend engagiert in Thüringen".

(Text/Fotos: André Neumann)

  
 

So sehen Gewinner aus...

Der Wettbewerb ist im September 2006 von der Stiftung Demokratische Jugend in Zusammenarbeit mit dem Landesjugendring Thüringen und dem Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit ausgelobt worden. Bewerben konnten sich Jugendliche mit einem Projekt, das ihrer Gemeinde zugute kam. Die Arbeit der Jugendlichen wurde durch eine Vereinbarung mit der Bürgermeisterin oder dem Bürgermeister besiegelt. Vier Projekte aus Bad Langensalza, Esperstedt, Mellingen und Herbsleben konnten sich gegenüber insgesamt 19 Jugendgruppen durchsetzen. Welches Projekt allerdings den ersten Preis bekommen sollte, wurde bis zuletzt streng geheim gehalten. Die Stimmung unter den zahlreich angereisten Jugendlichen war dementsprechend aufgeregt, immerhin ging es um Geldpreise zwischen 750 € und 1500 €.

In seiner Begrüßungsrede lobte Robert Fischer, Vorsitzender des Landesjugendringes Thüringen die jugendlichen "Thüringer Leuchtürme" - die engagierten Projekte und Jugendinitiativen, die bei "Jugend engagiert" mitgemacht haben. Er hob hervor, dass sie ganz nach dem Motto von J.F. Kennedy gehandelt hätten: "Einen Vorsprung im Leben hat, wer da anpackt, wo andere erst einmal reden."

Heidemarie Rubart, Leiterin der Koordinierungsstelle "Perspektiven für junge Menschen - gemeinsam gegen Abwanderung" in der Stiftung Demokratische Jugend, betonte in ihrem Grußwort die Bedeutung von jugendlichem Engagement im Gemeinwesen: "Unsere Erfahrungen zeigen eindeutig: Wer sich mit seiner Region auseinandersetzt und sich für den Ort engagiert, in dem er lebt, baut eine engere Bindung zu seiner Heimat auf als andere Menschen." Diese Bindung sei angesichts der hohen Abwanderung -auch aus Thüringen- wichtig bei der Entscheidung, zu bleiben bzw. wiederzukommen. Dafür brauchte man aber auch Vorbilder: junge Menschen, die das Leben vor Ort aktiv mitgestalten.

Dr. Klaus Zeh, Thüringer Minister für Soziales Familie und Gesundheit, unterstrich in seiner Eröffnungsrede zur anschließenden Preisverleihung die Wichtigkeit jugendlichen Engagements und beglückwünschte die anwesenden Jugendlichen sowie deren Betreuer, Unterstützer und Wegbegleiter aus den jeweiligen Gemeinden. Die Jugendlichen hätten mit ihrem Engagement die These von der Null-Bock-Generation gründlich widerlegt.

Kurz darauf wurde es richtig spannend. Es folgte die Bekanntgabe der Gewinner.

  

Jugendinitiative Colorblind

 

Heike Thomas, Programmbetreuerin der Stiftung Demokratische Jugend, begann mit der Preisverleihung des ‚ersten von zwei dritten’ Plätzen für die Jugendinitiative "Colorblind" aus Bad Langensalza und ihr Kino der besonderen Art. Die Jugendlichen realisierten im Jahr 2006 und 2007 eine Reihe von thematisch anspruchsvollen Filmen vor historischer Kulisse mit dem Hauptfokus auf Themen wie "Leben mit Behinderung" oder "Rechtsradikalismus". Das Team um Marius Ewert freute sich über 750 € und versprach eine Fortsetzung der Reihe.

  
 

750 Euro gehen nach Mellingen

Robert Fischer begann seine Laudatio für den ‚zweiten dritten Platz’ mit einem Zitat von Albert Einstein: "Eine wirklich gute Idee erkennt man daran, dass ihre Verwirklichung von vornherein ausgeschlossen erscheint". Er konnte den ebenfalls mit 750 € dotierten Preis an die Jugendinitiative Jugendclub Mellingen für den Neuaufbau ihres Vereinshaus überreichen. Der ehemalige Jugendclub Mellingen wurde durch ein Unwetter im Juni 2005 zerstört. Die engagierte Bürgermeisterin Frau Schwarz stellte ihnen Anfang 2006 eine ehemalige Gaststätte zur Verfügung, die federführend durch Peggy Rücker und das ehrenamtliche Engagement der Jugendlichen der Gemeinde Mellingen, heute wieder als Vereinshaus für jung und alt zur Verfügung steht.

  

1000 Euro gehen nach Esperstedt

 

Die Spannung stieg, denn nun verkündete Heidemarie Rubart den Gewinn des zweiten Preises über 1000 €. Der ging an das Projekt Lernen zum Leben von Christian Schultz vom Jugendverein "Alte Post" e.V. im nur 648 Einwohner zählenden Esperstedt im Norden Thüringens. Durch eine beispielhafte Zusammenarbeit zwischen Gemeinde, Kirche und den jungen Menschen aus dem Ort, gelang die Schaffung von Räumen für bildungsferne Jugendliche. Unterstützt durch den Bürgermeister Herrn Stoffers und 300 Stunden ehrenamtliche Arbeit konnten die Jugendlichen das Vereinshaus ausbauen, ihre Leistungsbereitschaft zeigen und durch den Kontakt zu den maßgeblichen Behörden wie ARGE, Kommunalverwaltung und Kirche ihren Bildungsstand weiter erhöhen und eine Perspektive für die Zukunft aufbauen.

  
 

Die Gewinner aus Herbsleben

Damit war klar, welches Projekt mit dem 1500 € dotierten ersten Preis ausgezeichnet werden sollte. Robert Fischer, Vorsitzender des Landesjugendring Thüringen, hatte nun wiederum die freudige Aufgabe der Jugendfreizeiteinrichtung der Johanniter Herbsleben und ihrem Projekt Herbslebener Wörterbuch zu gratulieren. Er stellte die Fragen: "Was sind Hillerchen, was bedeutet gadlich, ist Kommest essbar?" und erntete sowohl ratlose Blicke der Anwesenden, als auch verschmitztes Lächeln der Herbslebener. Sie hatten die Idee ein eigenes Wörterbuch herzustellen, da ihnen nach gesagt wird, sie hätten eine eigene Sprache - und das nicht ohne Stolz. Gesagt - getan. Die Wörter wurden gesammelt und mit Hilfe einer Druckerei aus dem Nachbardorf entstand eine erste Auflage. Die Nachfrage ist groß und eine zweite, umfassendere Auflage ist geplant. Daran sollen vor allem Jugendliche gemeinsam mit Senioren arbeiten. Mit Hilfe der überreichten Geldprämie und der weiteren Unterstützung der vielen Wegbegleiter und Berater, im Besonderen ihrem Bürgermeister Herr Kühmstedt, rückt die Fortsetzung nun in greifbare Nähe.

Am Ende der Preisverleihung gab es bei kühlen Getränken und frischen Snacks jede Menge Fotoshooting-Termine mit den Vertretern von Presse und Fernsehen, sowie das eine oder andere Gespräch über neue Ideen und zukünftige Projekte. Der nächste Wettbewerb für engagierte (junge) Menschen kommt garantiert. Das Leben an sich ist ja nur einer davon...


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